USA: Trangender-Kandidatin gewinnt Wahl gegen amtierenden Schwulenhasser

Amtsinhaber bezeichnete Konkurrentin konsequent als Mann und wollte kein direktes Duell

Danica Roem
privat

Bei der Regionalwahl im US-Bundesstaat Virginia hat sich eine Transgender-Kandidatin gegen den „obersten Schwulenhasser“ durchgesetzt. Die Demokratin Danica Roem hat sich gegen den langjährigen republikanischen Abgeordneten Robert Marshall durchgesetzt. Damit ist die 33-Jährige nun die erste Transgender-Abgeordnete in Virginia.

Nach 26 Jahren wurde der „oberste Schwulenhasser“ von Virginia nicht mehr gewählt

Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen für die General Assembly von Virginia lag Roem in ihrem Wahlkreis mit 55 Prozent deutlich vor Marshall. Der als sehr konservativ geltende Marshall saß seit 26 Jahren für die Republikaner im Parlament und hatte sich selbst als „Chief Homophobe“, also in etwa als „obersten Schwulenhasser“, von Virginia bezeichnet. So meinte der 73-Jährige, die Öffnung der Ehe sei eine Vorstufe zur Legalisierung von sexuellem Kindesmissbrauch.

Für ihren Wahlkampf hat die Quereinsteigerin rund eine halbe Million Dollar ausgegeben, deutlich mehr als Marshall. Die ehemalige Journalistin hatte vor der Wahl betont, dass sie nicht als Kämpferin für LGBT-Rechte in die Politik gehe, sondern ihre Erfahrungen als Lokalreporterin für die Kommunalpolitik nutzen wolle. Trotzdem wurde Roem unter anderem vom Gay & Lesbian Victory Fund unterstützt, der sich für eine bessere LGBTI-Sichtbarkeit in der amerikanischen Politik einsetzt.

Marshall hat sich im Wahlkampf übrigens konsequent geweigert, seine Gegenkandidatin als Frau anzuerkennen. In Interviews verwendete er immer das Personalpronomen „er“, wenn er über die 33-Jährige sprach: „Man kann sein Geschlecht nicht verändern. Das ist nicht mal ein Thema, über das man debattieren kann“, erklärte er in einem Interview. Auch eine direkte Debatte mit seiner Gegenkandidatin lehnte Marshall ab.

Auch sonst gab es Achtungserfolge für die Demokraten

Auch sonst brachten die ersten Wahlen nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump Rückenwind für die Demokraten: So konnte die Partei erwartungsgemäß die Bürgermeisterwahl in New York und die Gouverneurswahl in New Jersey für sich entscheiden. Dass die Demokraten auch in Virginia stark abschnitten, gibt der Partei aber Hoffnung.

Präsident Trump wies auf Twitter mittlerweile jede Verantwortung für die Niederlage der Republikaner in Virginia zurück. Er warf den Kandidaten vor, selbst dafür verantwortlich zu sein, weil sie ihm als Präsidenten nicht nah genug gestanden hätten. Für ihn selbst wird es nächstes Jahr spannend: Dann werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats in Washington neu gewählt. Zur Zeit haben die Republikaner in beiden Kammern eine Mehrheit.