Robbie Rogers: Einziger offen schwuler Profi-Fußballer tritt zurück

Sein Coming Out bedauert Rogers nicht - nur, dass er es nicht früher gemacht hat

Robbie Rogers
Noah Salzman/Wikimedia CC BY-SA 3.0

Der offen schwule Fußballprofi Robbie Rogers beendet seine Karriere mit sofortiger Wirkung. Grund dafür sind einige Verletzungen. Der 30-Jährige kann auf eine elfjährige Profi-Karriere zurückblicken. Zuletzt war er als Verteidiger für des US-Erstligisten LA Galaxy im Einsatz. Die USA verlieren damit den einzigen offen schwulen Spieler in einer Profi-Mannschaft.

Verletzungsbedingt gibt Rogers auf

In den letzten Jahren musste Rogers acht Mal operiert werden. In der aktuellen Saison konnte er wegen einer Nervenverletzung, die er nach einer Operation im linken Fuß hatte, kein einziges Mal auflaufen. Deshalb zieht Rogers nun die Konsequenzen. „Nach der letzten Verletzung dachte ich: Ich bin ein Vater, ich bin 30 Jahre alt und ich möchte in der Lage sein, mit 40 mit [meinem Sohn] Caleb den Ball zu kicken“, so Rogers auf der Webseite des Vereins.

Der Rückzug aus dem Profifußball hinterlasse ihn mit „gemischten Gefühlen“, erklärte Rogers weiter: „Durch das Spiel habe ich einige meiner größten Leistungen sowohl beruflich als auch persönlich erlebt und bin den zahlreichen Einzelpersonen – Coaches, Teamkollegen, Mitarbeitern und Fans – für immer dankbar, die mir während dieser Reise geholfen haben.“

Der erste offen schwule Profi-Fußballer auf dem Feld

Robbie Rogers gilt als erster offen schwuler Profifußballer, der sich während seiner Karriere geoutet hat. In einem Blog outete sich der damals 25-Jährige im Jahr 2013 als schwul. Zu dieser Zeit spielte er in England in der dritten Liga – seine Karriere geriet allerdings ins Stocken.

Zwar kündigte Rogers mit seinem Coming Out auch des Rückzug vom Profi-Fußball an, allerdings bekam er so viel Zuspruch aus aller Welt, dass er sich entschloss, die Karriere fortzusetzen. Er unterschrieb bei LA Galaxy und war dort der erste offen schwule Spieler einer Profiliga. Im Jahr 2014 konnte er sogar den Pokal der MLS gewinnen.

Deshalb dankte er vor allem seinen Fans beim Abschied: „Ich werde nie vergessen, wie ich in meinem ersten Spiel [nach dem Coming-out] auf das Feld zurückkehrte. Dieses Gefühl der Akzeptanz und Unterstützung hat mich als Sportler und als Mensch angetrieben. Die Möglichkeit gehabt zu haben, einen MLS Cup in meiner Heimatstadt zu gewinnen, mit meinem Heimatverein und als offen schwuler Mann, werde ich für den Rest meines Lebens mit mir führen“, schreibt Rogers auf der Webseite seines Vereins.

Privat ist er glücklich mit Mann und Sohn

Nun wird sich Robbie Rogers wohl verstärkt seiner Familie widmen: Im Jahr 2013 hatte er den Regisseur und Produzenten Greg Berlanti kennengelernt, im Februar 2016 kam der gemeinsame Sohn Caleb durch Leihmutterschaft zur Welt. Einige Monate danach verlobte sich glückliche das Paar.

„Meine glücklichsten Jahre als Spieler waren jene, bei denen ich am Ende der Spiels durch den Tunnel laufen konnte, wo am anderen Ende mein Partner und mein Sohn auf mich warteten“, schreibt Rogers in einer persönlichen Erklärung auf Facebook. Er bedauere nur die Jahre, die er sich nicht geoutet hatte.

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gefunden, den so viele junge Menschen in den letzten fünf Jahren mit mir geteilt haben, um offen und ehrlich als homosexueller Mensch zu leben. Das sind die Jugendlichen, die mich dazu gebracht haben, meine Ängste zu überwinden und wieder zu spielen. Es gibt noch immer Kids, die mir jede Woche Briefe schicken. Diesen Kids möchte ich danken. Meine stolzeste Errungenschaft während meiner Karriere war es, mitzuhelfen, einen offeneren Sport für euch zu schaffen.“