72-jährigen Ex-Freund fast zu Tode geprügelt: 30-Jähriger vor Gericht

Mit einer Eisenstange niedergeschlagen: Eine nicht alltägliche Beziehung endet vor Gericht

Justitia
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In München steht ein 30-jähriger Brasilianer vor Gericht, weil er seinen 73 Jahre alten Ex-Freund mit einer Eisenstange fast zu Tode geprügelt haben soll. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Für den Pensionisten war es nicht der erste Gerichtstermin als Geschädigter: Erst vor vier Monaten war er vor Gericht, weil er im April 2016 von zwei Callboys in seiner Wohnung geschlagen, gewürgt und ausgeraubt wurde.

Sowohl die Callboys als auch den 30-jährigen Joandson S. hat Werner B. über die Dating-Plattform Planetromeo kennengelernt. „Ja natürlich suche ich weiter auf dem Dating-Portal nach einem Partner – wegen der zwei schlechten Erfahrungen…“, erklärt der 73-Jährige den erstaunten Zuhörern im Gerichtssaal. Doch auch diesmal brachte die Suche nach der wahren Liebe nicht den gewünschten Erfolg.

Der Pensionist hat den jungen Brasilianer nach Deutschland eingeladen, um mit ihm zusammenzuleben

Diese Geschichte begann mit längeren Chats, schließlich hat der Pensionist den jungen Brasilianer nach Deutschland eingeladen. Im Dezember 2016 ist es schließlich soweit. Man lebte zusammen in der Wohnung des Pensionisten, dieser zahlte auch die Dinge des täglichen Lebens.

Zunächst verlief die Beziehung harmonisch. Angeblich überlegten die beiden Männer auch, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Doch schon bald gab es Probleme: Der Brasilianer verließ immer öfter die Wohnung, „um Freunde zu treffen“, wie es in der SZ heißt.

Das störte Werner B., er soll der Staatsanwaltschaft zufolge seinem Partner mehrmals gedroht haben, dass er die Wohnung verlassen müsse, wenn die Beziehung nicht funktioniere. Mitte März kam es dann schließlich zum Streit – wegen fünf Euro, die sich Joandson S. bei dem Pensionisten ausgeliehen und nicht zurückgezahlt hatte.

Wegen fünf Euro kam es zum Streit – und der endete schließlich mit der Gewalttat

Es kommt zur Trennung. Damit soll der Brasilianer grundsätzlich einverstanden gewesen sein. Allerdings wollte er von dem Pensionisten das Geld für ein Flugticket zurück in die Heimat – was Werner B. ablehnte. Joandson S. rief deshalb die Polizei, doch auch die sagte ihm nur, dass er die Wohnung verlassen müsse.

Einen Tag später kommt der 30-Jährige zurück. Er behauptet, im Keller würden noch Schuhe liegen. Doch dort soll sich der Brasilianer eine Eisenstange gegriffen und  sie dem Pensionisten mindestens zwei Mal über den Kopf geschlagen haben. „Ich sah ihn noch über mir, mit zwei Händen die Eisenstange umklammert, diese Wucht, diese Brutalität, das hätte ich nie von ihm erwartet“, so der 73-Jährige eindrucksvoll vor Gericht. Dann soll der Mann noch mindestens acht Mal zugeschlagen haben, bevor er flüchtete.

Der Pensionist erlitt schwerste Verletzungen

Es dauerte mehr als 20 Minuten, bis Werner B. sich zu seiner Wohnung schleppen konnte, um die Rettung zu rufen. Im Krankenhaus wurden schließlich eine offene Schädelfraktur, drei Kopfplatzwunden und eine Unterarmtrümmerfraktur festgestellt. Und der Vorfall habe auch psychische Schäden verursacht: Er habe nun Angst vor dunklen Räumen und meide den Keller, so gut er könne, erklärte der 73-Jährige.

Über seine Anwältin hat Joandson S. die Tat gestanden. Er versichere sein Bedauern und entschuldige sich, erklärte die Rechtsvertreterin des Angeklagten. Doch auch das Opfer muss sich Tadel stellen: „Kam er ihnen nicht zu jung vor, hätte er sie pflegen sollen?“, wurde Werner B. in der Verhandlung gefragt. Es sei ihm nur um die Partnerschaft gegangen, versicherte er.

Am Donnerstag soll der Prozess fortgesetzt werden. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.