Australien öffnet die Ehe: Nur vier Gegenstimmen bei finaler Abstimmung

Auch das Repräsentantenhaus stimmt mit überwältigender Mehrheit für die "Ehe für alle"

Eheringe
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Am Donnerstag um 18.59 Uhr Ortszeit war es fix: Die Ehe wird in Australien für schwule und lesbische Paare geöffnet. Das australische Repräsentantenhaus hat mit überwältigender Mehrheit einen historischen Gesetzesentwurf zur Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare angenommen. Von den 150 Abgeordneten stimmten nur vier gegen den Gesetzentwurf.Bereits in der letzten Woche hat der Senat dem Entwurf zugestimmt.

Die Annahme des Gesetzes durch das Repräsentantenhaus, die zweite Kammer des australischen Parlaments, war allgemein erwartet worden. Der vom schwulen Senator Dean Smith von den regierenden Liberalen im Namen mehrerer Fraktionen Gesetzentwurf ändert die Definition von Ehe. Statt eine Verbindung von Mann und Frau, wie erst 2004 festgelegt, ist sie künftig eine „aus zwei Personen“. Außerdem werden im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt.

Damit gibt es weltweit 22 Staaten, die landesweit die Ehe geöffnet haben, zwölf davon in Europa. Nicht berücksichtigt ist dabei unter anderem Großbritannien, weil Nordirland die Ehe noch nicht geöffnet hat, und Österreich, das diesen Schritt spätestens 2019 vollzieht. In diesem Jahr haben unter anderem auch Deutschland und Malta beschlossen, die Ehe zu öffnen.

„Was für ein Tag der Liebe, für gleiche Rechte und für Respekt“, freut sich Premierminister Turnbull

„Was für ein Tag“, kommentierte Premierminister Malcom Turnbull vor der Abstimmung. „Was für ein Tag der Liebe, für gleiche Rechte und für Respekt. Es ist Zeit für mehr Ehen, für mehr Gleichberechtigung und für mehr Liebe.“ Im November haben sich fast zwei Drittel der Australier in einer Volksbefragung für die Öffnung der Ehe ausgesprochen. Über 12 Millionen Menschen, knapp 80 Prozent der Wahlberechtigten, beteiligten sich an der Umfrage. Genau 61,6 Prozent sprachen sich dafür aus, die Ehe-Gesetze zu ändern.

Insgesamt haben mehr als hundert Abgeordnete während der Debatte eine Rede zum Gesetzesentwurf über die Öffnung der Ehe gehalten. Weltweite Aufmerksamkeit erreichte dabei der offen schwule Abgeordnete Tim Wilson von der Liberalen Partei, der die Gelegenheit nutzte, um die Hand seines Mannes anzuhalten.

Konservative Abänderungsanträge wurden abgelehnt – das Gesetz kann nun in Kraft treten

Sämtliche Abänderungsanträge, die Ausnahmen mit Verweis auf die Religionsfreiheit vorgesehen hatten, wurden von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt. Damit muss das Gesetz zur Ehe-Öffnung nicht mehr zurück in den Senat, sondern nur noch formal vom Generalgouverneur Peter Cosgrove, dem Vertreter von Königin Elisabeth II., unterzeichnet werden. Es tritt 28 Tage danach in Kraft. Das heißt, dass die ersten schwulen und lesbischen Paare nun vermutlich schon im Jänner heiraten können.

Hunderte LGBT-Aktivisten waren extra in die Hauptstadt Canberra gekommen, um an diesem historischen Moment vor Ort zu sein. Auf der Zuschauertribüne und im Sitzungssaal wurde nach der Entscheidung minutenlang geklatscht und „I am, you are, we are Australian“ gesungen.