Ehemaliger „Todesrichter“ des Iran aus Deutschland ausgereist

Ayatollah Mahmud Schahrudi ist auch für die Hinrichtung eines 13-Jährigen wegen Homosexualiät verantwortlich

Ayatollah Mahmud Schahrudi
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Er war wohl der umstrittenste Patient in deutschen Krankenbetten: Ayatollah Mahmud Schahrudi, in seiner Heimat Iran von 1999 bis 2009 Justizchef der Mullahs. Er war auch für die Hinrichtung schwuler Minderjähriger verantwortlich. Doch nun ist der 69-Jährige, der sich in einer Hannoveraner Privatklinik wegen eines Hirntumors behandeln ließ, überraschend abgereist. Das berichtet die Bild-Zeitung.

Behandlung wegen eines Hirntumors wurde vorzeitig abgebrochen

Wie die Zeitung berichtet, ließ sich Schahrudi seit 21. Dezember im „International Neuroscience Institute“ in Hannover behandeln. Die Klinik ist auf Neurologie spezialisiert und wird von dem iranisch-stämmigen Neurochirurgen Madjid Samii geleitet. Dort soll er wegen eines Hirntumors behandelt worden sein.

Doch noch vor dem Ende der Behandlung suchte Ayatollah Mahmud Schahrudi das Weite: Heute Vormittag ist er mit einem Flug der Iran Air von Hamburg nach Teheran aufgebrochen. Grund für diesen überraschenden Aufbruch könnte eine Anzeige des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Volker Beck sein.

Schahrudi ließ einen 13-Jährigen hinrichten, der Sex mit einem Gleichaltrigen hatte

Denn während seiner Amtszeit hat er mindestens 2000 Todesurteile abgesegnet – auch gegen Minderjährige, Vergewaltigungsopfer oder Homosexuelle. So wie gegen Makwan Moloudzadeh. Dem 13-Jährigen wurde ein Verhältnis mit einem Gleichaltrigen vorgeworfen. Er wurde am 4. Dezember 2007 im Gefängnis von Kermanshah hingerichtet.

Alle Gnadengesuche lehnte Schahrudi ab. Dass der Mann, der für den Tod von Moloudzadeh und unzähligen weiteren verantwortlich ist, mit dem Wissen der deutschen Außenministeriums unbehelligt im Zimmer einer deutschen Privatklinik liegen kann, findet Volker Beck unerträglich. „Wir dürfen kein Sanatorium für Menschenrechtsverbrecher sein, sondern müssen sie zur Verantwortung ziehen“, so der ehemalige Politiker.

„Wir dürfen kein Sanatorium für Menschenrechtsverbrecher sein“, mahnt Volker Beck

Beck hat deshalb beim Generalbundesanwalt Ayatollah Mahmud Schahrudi angezeigt – Anzeigen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach §7 des Völkerstrafgesetzbuches. Andere Folteropfer und Angehörige von Hingerichteten folgten seinem Beispiel.

Damit hätte Schahrudi, noch immer einer der reichsten und mächtigsten Männer des Iran, eine Gerichtsverhandlung in Deutschland gedroht. Der Generalbundesanwalt sichtet derzeit noch die Anzeigen gegen Schahrudi und prüft, ob Ermittlungen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgenommen werden.

Bei einem positiven Ausgang dieser Prüfung Ayatollah Mahmud Schahrudi verhaftet und für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden können. Um dem Arm des deutschen Rechts zu entgehen, dürfte der mächtige Mann nun die Flucht ergriffen haben.