Giuliana Farfalla: Der deutsche Playboy hat zum ersten Mal eine Trans-Frau am Cover

Vor dem Dschungelcamp geht es für die 21-Jährige noch in das Männermagazin

Giuliana Farfalla
Christopher von Steinbach für Playboy Februar 2018

In der heute erscheinenden Ausgabe des deutschen Playboy ist zum ersten Mal mit Giuliana Farfalla ein transsexuelles Model auf dem Cover. Das sorgt bei einigen ehemaligen Kolleginnen für irritierende Meldungen – doch der Verlag steht hinter seiner Entscheidung.

Von der Topmodel-Kandidatin zur Dschungelcamp-Bewohnerin

Berühmt wurde die 21-Jährige letztes Jahr als eine von zwei Trans-Kandidatinnen bei der ProSieben-Castingshow „Germany’s Next Topmodel“. Dabei belegte Farfalla den elften Platz – und bekam erstmals breite Aufmerksamkeit. Nun folgt der nächste Karriereschritt: Wie die Bild-Zeitung bereits im Dezember berichtete, wird Giuliana Farfalla eine der Kandidatinnen für die diesjährige Ausgabe von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ zu sein.

Und wie jedes Jahr posiert eine der Kandidatinnen vor dem Start der Staffel am 19. Jänner nackt im Playboy. Diesmal ist es Giuliana Farfalla, wie das Männermagazin nicht ganz ohne Stolz verkündete. „Einen Dschungelstar wie sie gab es noch nie“, heißt es so auf der Titelseite. Menschen wie Farfalla verdienten „Respekt und Anerkennung“, weil sie den Mut hätten, „der Welt zu zeigen, wer sie sind“, ergänzt Chefredakteur Florian Boitin.

Ein ehemaliges Playmate kann mit einer Trans-Frau am Cover nichts anfangen

Wieso kein neuer Name für das Magazin? Zum Beispiel Transiboy?
Ramona Bernhard, Playmate

Für die 29-jährige Ramona Bernhard, die sich mehr als ein dutzend Mal für den Playboy ausgezogen hat, ist die Entscheidung für ein transsexuelles Titelmodel „eklig“. Auf Facebook empörte sie sich: „Ich dachte, es ist ein Magazin für Männer mit ästhetischen Frauen. Jetzt ist es eine Plattform für Transgender. Welche Zielgruppe wird als nächstes angesprochen? Ladyboy-Fans?“
Indirekt rief Bernhard auch zum Boykott der aktuellen Ausgabe auf. „Wäre ich ein Mann, hätte ich jetzt Angst vor dem Magazin und würde es mir nicht kaufen. Am Ende wird einem ja unterstellt, man steht auf Transgender. Wieso kein neuer Name für das Magazin? Zum Beispiel Transiboy“, ätzte sie.

Den Lesern wünscht das ehemalige Playmate „viel Spaß mit nackten Männern mit gemachten Mumus!“ Sie sei „schockiert“ und finde das Magazin „echt langsam eklig“, so Bernhard in dem Posting, das nach wenigen Stunden wieder gelöscht wurde.

Der Playboy steht hinter seiner Entscheidung, Giuliana Farfalla aufs Cover zu holen

Wenn im Jahre 2018 eine nackte Giuliana im Playboy noch ein Tabu berührt, dann spricht das wohl mehr für die Aufgeschlossenheit des Playboy als für die Aufgeklärtheit unserer Gesellschaft.
Florian Boitin, Playboy-Chefredakteur

Doch der Playboy-Chefredakteur steht zu seiner Entscheidung. „Wenn im Jahre 2018 eine nackte Giuliana im Playboy noch ein Tabu berührt, dann spricht das wohl mehr für die Aufgeschlossenheit des Playboy als für die Aufgeklärtheit unserer Gesellschaft. Giuliana Farfalla mag die erste Transsexuelle überhaupt auf dem Titel des deutschen Playboy sein. In erster Linie ist sie aber eine ganz besondere Frau. Und zugleich ein wunderschöner Beleg dafür, wie wichtig der Kampf für das Recht auf Selbstbestimmung ist“, erklärt Boitin.
Die Reaktionen des Ex-Playmates auf das neue Covermodel lassen ihn kalt: „Ach, natürlich haben wir auch mit kritischen oder sogar ablehnenden Reaktionen gerechnet. Aber die Resonanz ist doch überwiegend sehr positiv, viele meinen auch uns zu diesem mutigen Schritt gratulieren zu müssen“, meint Boitin.

Sich vor der Kamera auszuziehen, war für Farfalla kein Problem

Giuliana Farfalla
Christopher von Steinbach für Playboy Februar 2018

Farfalla selbst betont übrigens, sie wolle als Frau und nicht als Transgender-Model wahrgenommen werden. Der „biologische Aspekt“ sei natürlich immer ein Thema, sagt sie im Interview mit dem Playboy. Sie verstehe auch, „dass der für viele Leute interessant ist“. Aber „damit habe ich mich abgefunden. Und letztlich macht mich das als Person ja auch aus“, so Farfalla.

Vor der Kamera die Hüllen fallen zu lassen, habe sie dabei keinen Mut gekostet, erklärt sie. „Ich habe mich beim Shooting immer wohlgefühlt und wusste ja, dass ich die Kontrolle über das Ganze habe. Es hat wirklich viel Spaß gemacht“, so das Model.

Bei der Vorstellung der Kandidatin kann sich RTL eine billige Pointe nicht verkneifen

RTL selbst ist bei der Ankündigung seiner ersten transsexuellen Dschungelkandidatin übrigens nicht besonders sensibel. Parallel zur Ankündigung, dass Giuliana Farfalla im Playboy erscheint, bestätigte der Privatsender ihre Teilnahme im Dschungelcamp. Dabei hieß es unter anderem: „Die Brust und die Genitalien sind schon operiert. Dann durfte der Chirurg auch noch am letzten ‚männlichen Merkmal‘ Hand anlegen. Ihre Nase wurde auch neu gestaltet“

Trans-Frauen sind im Playboy recht selten. Zum ersten Mal wurde im Jahr 1981 mit der Schauspielerin Carolin Cossey ein Trans-Model gezeigt – ihre Geschlechtsanpassung aber nicht erwähnt. Im vergangenen November war mit Ines Rau das erste Mal in der mehr als 60-jährigen Geschichte des Männermagazins eine Transsexuelle „Playmate des Monats“ in der US-Ausgabe.