Chinesen übernehmen Grindr: Geheimdienst darf mitlesen

Spiele-Gigant übernimmt Grindr zur Gänze - und die Sicherheitsbehörden sind alarmiert

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Vor einigen Wochen hat der chinesische Technologie-Gigant Kunlun Group Ltd. die unter schwulen Männern beliebte Dating-App Grindr vollständig übernommen. Nun warnen Datenschützer: Sämtliche Dating-Daten können schon bald von der chinesischen Regierung durchsucht werden.

Neuer Eigentümer tauscht die Schlüsselpositionen aus

Mit dem Abschluss des Verkaufs hat sich Joel Simkhai, Gründer von Grindr und bisheriger Geschäftsführer, vollständig aus der Firma zurückgezogen. Der neue Interims-Geschäftsführer ist der Chinese Yahui Zhou, ihm zur Seite steht Wei Zhou als Stellvertreter und Finanz-Vorstand. Die Technik übernimmt Scott Chen, der zuvor unter anderem bei Facebook und Instagram gearbeitet hat.

Und das lässt bei einigen Datenschützern die Alarmglocken schrillen: Wie die Washington Post berichtet, können nun chinesische Geheimdienste einfach auf die Daten von Grindr zugreifen. Nach chinesischem Recht kann die Regierung aus Gründen der „öffentlichen Sicherheit“ jederzeit alle Daten anfordern, die chinesische Firmen sammeln – auch private Details der User.

Der chinesische Geheimdienst darf nun sämtliche Daten von Grindr sammeln und speichern

In den USA herrscht deshalb die Angst vor, dass die Vorlieben der Grindr-Nutzer „als Teil der Operationen von Geheimdiensten und ausländischen Einflüssen in den Vereinigten Staaten“ genützt werden könnte. Damit könnten beispielsweise schwule oder bisexuelle Geheimnisträger, die Grindr nutzen, gezielt angesprochen, erpresst oder verführt werden.

„Was man beim chinesischen Geheimdienst sieht, ist, dass sie das Ziel haben, viele persönliche Informationen von vielen verschiedenen Personen zu sammeln und eine Datenbank von Namen aufzubauen, die für die Beeinflussung oder Geheimdienst-Aktivitäten nützlich sein könnten“, erklärt der ehemalige US-Geheimdienstanalyst und China-Spezialist Peter Mattis der Washington Post.

Grindr versucht zu beruhigen – doch ein anderer Deal des neuen Eigentümers scheiterte wegen Datenschutzbedenken

Peter Sloterdyk, bei Grindr für Marketing verantwortlich, versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Er betont gegenüber der Washington Post, dass die Privatsphäre der User und ihrer Daten die höchste Priorität habe. Man habe diese Daten nicht an chinesische Behörden weitergegeben und auch keine Absicht dazu.

Allerdings hat der neue Besitzer von Grindr dazu eine recht ambivalente Geschichte: Letztes Jahr musste sie die gemeinsam mit einer zweiten chinesischen Firma geplante Übernahme der norwegischen Software-Firma Opera abblasen: Die Vereinigten Staaten hatten erhebliche Bedenken, dass der Browser-Hersteller in chinesische Hände gelangen könne.

Kunlun hatte bereits im Jänner 2016 für 93 Millionen Dollar eine 60-prozentige Mehrheit an Grindr übernommen. Für die verbliebenen Anteile soll der chinesische Tech-Gigant nun 152 Millionen Dollar gezahlt haben.