Homophober Flyer an der Uni: Staatsanwaltschaft ermittelt

Ermittlungsverfahren wegen Verhetzung gegen die Burschenschaft „Leder“

Flyer der Burschenschaft Leder
VSStÖ/Facebook

Weil sie einen homophoben Flyer mit dem Bild eines Nazi-Malers verteilt haben, hat die Staatsanwaltschaft Leoben jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen Verhetzung gegen die Burschenschaft „Leder“ eingeleitet.

Familienbild wurde mit dem Werk eines Nazi-Malers illustriert

Auf dem Flyer, der am 10. Jänner auf der Montanuniversität Leoben verteilt wurde, ist eine Gegenüberstellung zu sehen: Auf der einen Seite der Text „Das ist eine Familie“ und ein Familienbild des NS-Malers Wolfgang Willrich – auf der anderen Seite der Text „Das sicher nicht“ und das Bild eines schwulen Paares bei einer Parade.

Auf der Rückseite schrieb die Burschenschaft, der auch der amtierende Obmann der Freiheitlichen Studenten angehört, dass die Ehe eine Verbindung von Mann und Frau sei.  „Eine Verbindung, bei der es keine Möglichkeit auf neues Leben geben kann als Ehe zu bezeichnen ist ein perverser Etikettenschwindel“, hieß es dort.

Über den Künstler habe man nichts gewusst, hinter dem Inhalt stehe die Burschenschaft

Nachdem der sozialdemokratische Studentenverband VSStÖ öffentlich gemacht hatte, wessen Bild die Burschenschaft „Leder“ für den Flyer verwendet hat, versuchte man den geordneten Rückzug: „Die Hintergründe des Künstlers sowie dessen Lebenslauf waren nicht recherchiert und damit nicht bekannt“, hieß es in einer Stellungnahme.

An der grundsätzlichen Aussage des Flyers hielt die Burschenschaft allerdings fest. Man sei auch weiter gegen die Öffnung der Ehe, die nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs im nächsten Jahr auch in Österreich schlagend wird. „Diese Meinung bleibt aufrecht, der geschriebene Inhalt entspricht unserer Überzeugung“, so die Burschenschaft.

Montanuniversität distanzierte sich vom Flyer der Burschenschaft

Nach einer Schrecksekunde distanzierte sich die Montanuniversität Leoben „mit aller Klarheit und Entschiedenheit von jeglicher Form der Verletzung der Grundwerte unserer Universität. Alle Formen der Verherrlichung, Anerkennung oder Verbreitung von rassistischem, diskriminierendem und nationalsozialistischem Gedankengut haben auf unserer Universität keinen Platz“.

Weiters forderte die Universität die Burschenschaft auf, sich in einer Stellungnahme „von derartigem Gedankengut ausdrücklich zu distanzieren und für den Fall einer Bewahrheitung der Vorwürfe daraus unverzüglich personelle Konsequenzen zu ziehen“. Bis zu einer „befriedigenden Reaktion“ der Burschenschaft bleiben sämtliche ihrer Mitglieder von allen akademischen Feierlichkeiten der Montanuniversität ausgeschlossen.

Staatsanwaltschaft Leoben bestätigt Erhebungen gegen Mitglieder der Burschenschaft

Nun interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft Leoben für den Flyer. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Leoben, Carolin Weißenbacher, bestätigte gegenüber dem ORF Steiermark, dass gegen fünf namentlich bekannte sowie weitere unbekannte Personen Erhebungen geführt werden. Unter den namentlich bekannten Verdächtigen sind auch Mitglieder der Burschenschaft.

Dabei gehe es um Verhetzung, geprüft werde zudem auch ein möglicher Verstoß gegen das Verbotsgesetz. Die Ermittlungen waren Ende Jänner eingeleitet worden, nachdem erstmals über den Flyer berichtet wurde. Die Erhebungen stehen erst am Anfang, so die Staatsanwaltschaft. Es wurden aber schon unter anderem der Rektor der Montanuni, Wilfried Eichlseder, sowie Pressesprecher Erhard Skupa befragt.