Nach Kritik des Erzbischofs: Laun entschuldigt sich bei LGBT-Gemeinde

"Jeder Mensch ist vor allem und zuerst ein Sohn oder eine Tochter Gottes"

Andreas Laun
Josef Kuss/Bischofskonferenz

Der ehemalige Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat sich bei der LGBT-Community entschuldigt. In einem Kommentar für die konservative Website kath.net hat er die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit der Segnung von Konzentrationslagern verglichen. Dafür gab es Kritik – und die Forderung, gegen Laun Ermittlungen wegen Verhetzung einzuleiten. Auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hatte Laun für seine Aussagen scharf kritisiert. Nun entschuldigt sich der 75-Jährige für diese Vergleiche.

Er habe niemanden beleidigen wollen und missachte keine Homosexuellen, so Laun

Er habe niemanden beleidigen oder verletzen wollen, schrieb er am Dienstag in Stellungnahme an die Nachrichtenagentur Kathpress. Diese sei an die „Mitglieder der LGBT Community“ gerichtet: „Wenn es jemand so empfindet, tut es mir natürlich leid und in diesem Sinn kann ich mich auch entschuldigen.“

„Jeder Mensch ist vor allem und zuerst ein Sohn oder eine Tochter Gottes und seine Besonderheiten machen nicht sein Wesen aus!“, erklärte Laun weiter – und betonte: „Ich missachte keinen Menschen, der homosexuelle Neigungen hat.“ Er würde sonst posthum einem mittlerweile verstorbenen Jugendfreund Unrecht tun, so Laun.

Seine umstrittenen Aussagen rechtfertigt der ehemalige Weihbischof mit einer „innerkirchlichen Kontroverse“

Vielmehr sei es ihm um eine innerkirchliche Kontroverse gegangen, betont der emeritierte Weihbischof. In seinem Kommentar kritisierte Laun unter anderem Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Er hatte erklärt, sich im Einzelfall die Segnung schwuler oder lesbischer Partnerschaften vorstellen zu können. Dabei hatte Laun erklärt, das wäre nicht möglich, weil nichts gesegnet werden könne, was sündig ist – wie etwa die Mafia oder ein Konzentrationslager.

Um zu zeigen, dass die Kirche „grundsätzlich alle Menschen, Heilige und Sünder, aber niemals die Sünde selbst oder Einrichtungen, die ihr dienen“ segne, habe er „einige drastische Beispiele“ genannt, betonte Laun: „Der jeweils gemeinsame Nenner ist nur: Das ist gegen die Gebote Gottes, daher kann es die Kirche nicht segnen, weder kleinere noch größere Sünden.“

Auch eine Anzeige wegen Verhetzung stand im Raum – das dürfte die Entschuldigung beschleunigt haben

Diese Richtigstellung kam nach deutlicher Kritik – auch aus eigenen Reihen. Mario Lindner, LGBT-Sprecher der SPÖ, kündigte an, eine Anzeige wegen Verhetzung prüfen zu wollen. Thomas Hennefeld, Superintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, konnte dieser Ankündigung Positives abgewinnen.

„Es war zu befürchten, dass Laun auch im Ruhestand keine Ruhe geben wird“, so auch Gabriele Rothuber und Josef Lindner von der HOSI Salzburg. „Trotzdem ist es erstaunlich, dass die Äußerungen des ewiggestrigen Ex-Weihbischofs noch immer so viel Aufmerksamkeit erhalten, während ganze Gesellschaftsgruppen in medialen Debatten kaum Gehör finden. Die katholische Kirche hat zu lange zugeschaut und steht nun in der Verantwortung, Position zu beziehen und sich rasch, ehrlich und umfassend zu distanzieren.“

Auch für Kardinal Schönborn sind die Aussagen von Andreas Laun inakzeptabel

Das hat sie auch wenig später gemacht: Eine halbe Stunde, bevor die Entschuldigung von Laun veröffentlicht wurde, übten Kardinal Christoph Schönborn und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner scharfe Kritik an Launs Aussagen. Es gehe „jedenfalls nicht an, den Wert gleichgeschlechtlicher Beziehungen in einem Atemzug mit der Mafia oder KZs zu nennen, wie dies leider gerade geschehen ist“, so der Wiener Erzbischof: „Diese Dinge sind nicht vergleichbar. So zu reden ist inakzeptabel.“

„Wortwahl und Vergleich sind gänzlich unangemessen“, erklärte auch der Salzburger Erzbischof Lackner gegenüber Kathpress. Es bleibe unverständlich, wie man systematische Verbrechen gegen die Menschheit in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen bringen könne, so Lackner. Er habe das Gespräch mit Laun gesucht, dieser habe ihm gegenüber versichert, die Menschen nicht verletzen zu wollen. „Aber gerade so geschehen Verletzungen. Daher habe ich ihn ausdrücklich gebeten, sich für dieses undifferenzierte Nebeneinanderstellen zu entschuldigen“, so Lackner.