Protestanten kritisieren Laun und begrüßen rechtliche Schritte

Hennefeld: "Bei den Aussagen handelt es sich nicht um eine Meinung, sondern um Verhetzung"

Thomas Hennefeld
epd/M. Uschmann

Innerhalb der christlichen Glaubensgemeinschaft gibt es scharfe Kritik an den Aussagen des ehemaligen Salzburger Weihbischofs Andreas Laun. Dieser hatte die langsame Öffnung der römisch-katholischen Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren kritisiert. Diese Kritik kann Thomas Hennefeld, Oberhaupt der evangelischen Kirche H.B., nicht nachvollziehen.

Laun hatte dem deutschen Kardinal Reinhard Marx widersprochen, der gemeint hatte, er könne sich eine Segnung schwuler und lesbischer Paare im Einzelfall vorstellen. In einem Kommentar auf dem konservativen Portal kath.net meinte Laun daraufhin, die römisch-katholische Kirche könne schwule und lesbische Paare gar nicht segnen, weil die Kirche keine sündhaften Verbindungen segnen könne – genauso wenig wie die Mafia oder ein Konzentrationslager.

Das Oberhaupt der Evangelischen Kirche H.B. nennt Launs Aussagen einen „Schlag ins Gesicht homosexueller Menschen“

Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, bezeichnet diese Aussagen als „abstrus“: Er verurteile diese Aussagen aufs Schärfste. Der Vergleich des pensionierten Weihbischofs sei „ein Schlag ins Gesicht homosexueller Menschen, die sich für eine Segnung ihrer Partnerschaft entschieden haben“. Außerdem sei sie „eine Niedertracht gegenüber allen homosexuellen Menschen“, die vom Vernichtungswahn des NS-Regimes unmittelbar betroffen waren.

Hennefeld erinnerte auch daran, dass die Evangelische Kirche H.B. in Österreich 1999 nach einem mehrjährigen Prozess „nach reiflicher Überlegung und nach einer differenzierten Debatte“ die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschlossen hat. Mit den jüngsten Aussagen zur Homosexualität stelle Laun die Pfarrerinnen und Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche, die solche Segnungen vornehmen, „auf eine Stufe mit jenen Menschen, die die nationalsozialistischen Konzentrationslager gutgeheißen haben“.

„Bei den Aussagen handelt es sich nicht um eine Meinung, sondern um Verhetzung“

Auch das Oberhaupt der evangelischen Kirche H.B. schließt sich der Forderung an, dass die strafrechtliche Relevanz von Launs Aussagen geprüft wird. Das hatte zuletzt Mario Lindner, LGBT-Sprecher der SPÖ, angekündigt: „Bei diesen Aussagen und diesem Vergleich eines kirchlichen Würdenträgers handelt es sich aber nicht um eine Meinung sondern um Verhetzung.“, so Hennefeld.

„Mit einer rechtlichen Verfolgung könnte außerdem ein Signal gesetzt werden, dass Verhetzung und Menschenverachtung auch staatlicherseits nicht geduldet werden.“ Gerade in einem Gedenkjahr wie diesem, zu 80 Jahre sogenanntem „Anschluss“ und zur Reichspogromnacht, wäre so ein Schritt „sehr angebracht“, hält Hennefeld fest.