AfD-Abgeordneter outet sich als Transgender

"Ich bin transsexuell und das nicht erst seit gestern": Die Parteiführung reagiert ausweichend

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Einen Knalleffekt gab es gestern in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg: Nina Wittmann, seit 2016 Abgeordnete der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD), hat sich als transsexuell geoutet und besteht ab sofort auf einer männlichen Anrede unter ihrem neuen Vornamen. Das berichtet die tageszeitung (taz).

„Ich bitte darum, mich ab sofort mit ‚Herr Wittmann‘ anzusprechen“

„Ich bitte darum, mich ab sofort mit ‚Herr Wittmann‘ anzusprechen und auch im Schriftverkehr den Namen Nico Wittmann zu verwenden. Ich bin transsexuell und das nicht erst seit gestern. Transsexuell, nicht Gender-Sternchen“, heißt es in einer persönlichen Erklärung von Wittmann, die gestern bei der Sitzung der BVV verlesen wurde.

Dabei entschuldigt sich Wittmann, der bislang im „Alternativ-Look mit Lippenpiercing und Kapuzenpulli“ in Erscheinung getreten war, auch bei seinen Wählern: „Wie vielen Betroffenen geht es mir durch diesen Umstand seit Jahren psychisch sehr schlecht. (…) Ich entschuldige mich für damit einhergehende Ausfallzeiten bei unseren Wählern und bedanke mich bei meiner Fraktion für die entgegengebrachte uneingeschränkte Unterstützung.“

Bis jetzt hat sich die AfD auch in Berlin negativ zu Trans-Themen geäußert

Die AfD-Fraktion in Tempelhof-Schöneberg gilt der taz zufolge als „gemäßigt“. Doch für die Rechtspopulisten ist die öffentliche Geschlechtsanpassung der bislang einzigen weiblichen Abgeordneten im Bezirksparlament unangenehm. Immerhin hat sich die Partei wiederholt ablehnend zu Trans-Themen, wie zum Beispiel geschlechtsneutralen Toiletten in Berliner Ämtern, geäußert.

Dementsprechend tut sich auch Jeannette Auricht, Sprecherin der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, schwer, gegenüber der tageszeitung die „Privatangelegenheit“ zu kommentieren. Diese änderte nichts daran, „dass wir am traditionellen Familienbild festhalten“, so Auricht: „Eine Minderheit sollte nicht als Mehrheit betrachtet werden. Die Zahlenverhältnisse in der BVV-Fraktion Tempelhof-Schöneberg ändern ja nichts daran, dass Transsexuelle in der Gesellschaft nur eine kleine Minderheit sind“, erklärte die AfD-Politikerin.

Nico Wittmann war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.