#wetoo

Auch Tamara Mascara hat ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht - und dazu ihre eigene Meinung

#MeToo
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Weltweit rollt der Stein, oder vielmehr der Felsen, durch die Medienlandschaft. Der Hashtag „#metoo“ zieht seine Bahnen durch die ganze Welt und durch alle Gesellschaftsschichten. Um was es geht, ist mittlerweile, glaube ich, jedem klar: Übergriffe die man bis jetzt für sich behalten hat, kommen nun ans Tageslicht und ziehen eine Schleppe der Empörung nach sich.

Ein Klaps auf dem Po ist keine Kleinigkeit

Im Fummel ist man(n) zwar keine Frau, aber man kommt der optischen Erscheinung einer Frau einen gehörigen Schritt näher. Ich würde mir nicht anmaßen zu behaupten, dass ich weiß, wie es ist eine Frau zu sein, aber ich bin mir sicher, viele Erfahrungen gemacht zu haben, die ich ohne Kleid, Stöckelschuhe, Schminke und Perücke nicht gemacht hätte. Und so unschön diese Erfahrungen waren, ich bin dankbar für die Einblicke, die ich sonst wohl nie bekommen hätte.

Wenn ein Beitrag mit dem Hashtag „#metoo“ gepostet wird, sind nicht nur mitfühlende und wohlwollende Augen darauf gerichtet. Wir alle wissen: Das Internet ist eine Schlangengrube. Und wenn dann nicht zumindest von einer richtig brutalen Vergewaltigung erzählt wird, kommt sehr schnell die Kritik an der fehlenden Ernsthaftigkeit der Erfahrungen des Opfers.

Ein Klaps auf den Po, ein Griff auf die Brust, verbale Übergriffe… Kleinigkeiten oder?

Finde ich nicht.

Was gibt jemandem das Recht, meinen Hintern zu berühren, nur weil er nicht bedeckt ist?

Auch die Argumentation, man könne ja jetzt nicht mehr flirten oder kein Kompliment mehr machen, verstehe ich nicht. Denn wenn der Unterschied zwischen einer Aussage wie „Geile Lippen! Mit denen kannst du sicher gut blasen!“ und „Du hast schöne Lippen“ nicht mehr klar ist, sollte man vielleicht grundsätzlich über seine Flirttaktik nachdenken.

Als Drag Queen bin ich gerne freizügigst gekleidet. Ich trage gerne Bodys oder durchsichtige Sachen, weil ich meinen Körper schön finde und es außerdem bequemer ist als hochgeschlossenes. Mir ist eh immer heiß. Als Reaktion darauf kamen in den letzten Jahren unzählige Klapse, Zwicker, Klatscher und sogar Griffe zwischen die Bäckchen.

Ich mache meistens keine große Sache daraus, aber was genau gibt jemandem das Recht, meinen Hintern zu berühren, nur weil er nicht bedeckt ist?

Danke, dass du klargemacht hast, wer ich für dich bin und wie ernst du mich nimmst

Und besonders die Logik, wenn beim ersten Tatscher keine Reaktion kommt, greift man noch fester zu, finde ich bemerkenswert dumm. Auch toll ist es, wenn ich ein Problem anspreche, sagen wir es gibt keinen Spiegel im Backstage-Bereich, oder ich und meine Kollegen warten ewig auf Infos oder Getränke, und die Antwort beginnt mit einem Wort wie „Schatzi“, „Mausi“ oder „Schnucki“.

Danke. Danke, dass du klargemacht hast, wer ich für dich bin und wie ernst du mich nimmst. Ein Mausi, ein kleines Mausi, süß zurechtgemacht wie ein Geschenk, das nur darauf wartet ausgepackt zu werden. Ein Schatzi das ja selbst noch gar nicht richtig sprechen kann.

Ein Schnucki, zu blöd um etwas für sich selbst zu verlangen.

Ein knappes Kleid ist keine Erlaubnis zum Hingreifen

Als Drag Queen lege ich meine optische Weiblichkeit nach der Show ganz einfach ab. Aber für einige Stunden habe ich einen kleinen Einblick in die Welt, in der ein knappes Outfit als Erlaubnis zum Hingreifen gilt, und man von oben herab mit Kosenamen zum Objekt degradiert wird.

Es gäbe natürlich noch weit größere Übergriffe, über die ich berichten könnte, aber es geht mir darum zu zeigen, dass gerade auch die vermeintlich als klein oder unbedeutend eingestuften Handlungen nicht in Ordnung sind.

Wir sollten uns gegenseitig mit mehr Respekt begegnen.