Als Lesben vernadert: Polizei in Indonesien stürmt Wohnung zweier Frauen

Danach musste der Polizeichef zugeben: Keine Beweise für Homosexualität der Frauen gefunden

Symbolbild: Indonesien
Symbolbild - Pixabay

Weil sie von ihren Nachbarn als Lesben vernadert wurden, hat die Polizei in Indonesien die Wohnung von zwei Frauen gestürmt. Homosexualität ist im bevölkerungsreichsten islamischen Staat der Erde eigentlich nicht illegal – doch Nachbarn hätten sich neben den beiden Frauen „unwohl“ gefühlt, berichten lokale Medien.

„Einige Bewohner waren rastlos, weil das nicht mit den Normen unserer Gesellschaft vereinbar ist“

Das bestätigte auch der lokale Polizeichef Yayan Arianto. „Einige Bewohner in der Umgebung haben zugegeben, dass sie sich unwohl und rastlos gefühlt haben, weil das (eine lesbische Beziehung, Anm.) nicht mit den Normen, die in unserer Gesellschaft existieren, vereinbar ist.“

Deshalb zeigten Nachbarn die beiden Frauen bei der Polizei an: „Sie sind zu uns gekommen, um uns zu informieren und um unerwünschte Dinge zu verhindern“, bestätigte der Polizeichef. Die Behörde schritt prompt zur Tat: Zunächst wurden sie von Beamten beschattet, dann wurde ihre Wohnung in Depok, einer Vorstadt der Hauptstadt Jakarta, gestürmt.

Die Polizei fand keine Beweise, dass die beiden Frauen ein lesbisches Paar sind

Erfolgreich war die Razzia nicht. Die Beamten konnten keine Beweise dafür sicherstellen, dass die 43- und die 35-Jährige in einer Beziehung lebeten. „Sie haben dort einfach alleine gelebt“, musste auch der Polizeichef gegenüber einer lokalen Zeitung zerknirscht zugestehen.

Dass die Wohnung der Frauen gestürmt wurde, weil vermutet wurde, das sie homosexuell seien, entspricht dem Bild, das Indonesien derzeit gegenüber sexuellen Minderheiten abgibt: So gingen die Behörden in den letzten Monaten verstärkt gegen Lesben und Schwule vor.

Immer öfter werden sexuelle Minderheiten in Indonesien von den Behörden bedrängt

So hat die Polizei von Depok, wo die beiden Frauen leben, im Dezember angekündigt, Mitglieder der LGBT-Community mit einer eigenen Taskforce zu beobachten. In den vergangenen Monaten wurden in der Stadt auch etliche schwule Männer aufgrund der Anti-Porno-Gesetze des Landes festgenommen.

Homosexualität ist in Indonesien eigentlich nicht verboten. Nur in der Provinz Aceh, wo die Scharia gilt, sind gleichgeschlechtliche Handlungen verboten und werden bestraft. Stattdessen werden vor allem Moral-Gesetze hergenommen, um Schikanen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender zu rechtfertigen.