Berlin: Junger Schwuler mit Messer und Reizgas angegriffen und ausgeraubt

Einer der Angreifer zog ein Messer hervor und verletzte den Burschen - bevor ihm Geld und Handy geraubt wurden

Polizei Berlin
Symbolbild

Ein besonders schweres Hassverbrechen hat sich gestern Abend in Berlin ereignet: Ein junger Schwuler wurde auf offener Straße von einer Gruppe Unbekannter beschimpft, bedroht, verletzt und beraubt. Das berichtet die Berliner Polizei.

Ohne Vorwarnung wurde der 23-Jährige von einer Gruppe beleidigt und angegriffen

Die Tat ereignete sich auf der Sonnenallee im beliebten Stadtviertel Neukölln. Der 23-Jährige spazierte essend gegen 23.30 Uhr auf dem Gehsteig in Richtung Weichselstraße. Plötzlich kam ihm eine etwa 15 Personen große Gruppe auf ihn zu. Ohne Vorwarnung beleidigte ihn jemand aus der Gruppe wegen seiner Homosexualität.

Doch dabei blieb es nicht. Drei Personen umringten den 23-Jährigen und schlugen ihm zunächst seinen Snack aus der Hand. Dann holte einer der Drei ein Messer hervor. Der junge Mann versuchte daraufhin, sich zu schützen, indem er eine Hand vors Gesicht hielt. Dabei erlitt er eine Schnittverletzung an einem Finger. Ein weiterer Angreifer besprühte den jungen Schwulen daraufhin mit Reizgas und stieß ihn zu Boden. Dann flüchtete die Gruppe in Richtung Hermannplatz.

Benommen bemerkte der 23-Jährige, dass ihm während des Angriffs offenbar auch sein Handy und seine Geldbörse geraubt wurden. Er erstattete Anzeige. Der junge Mann erlitt bei dem Angriff neben der Schnittverletzung auch Augenreizungen durch das Tränengas und Verletzungen am Rumpf. Wie bei allen Hassverbrechen führt der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungen.

Nicht der erste Überfall auf schwule Männer in Neukölln

Es ist nicht das erste Mal, dass sexuelle Minderheiten in letzter Zeit in Neukölln Opfer von Gewalt geworden sind. Im Dezember 2017 wurde – ebenfalls auf der Sonnenallee – ein schwules Paar  im Alter von 23 und 28 Jahren von sechs Männern beschimpft, bedroht und mit einer Obstkiste beworfen. Dabei  erlitt eines der beiden Opfer leichte Verletzungen am Kopf, den Armen und den Beinen.

Anfang März sind ein 27-Jähriger und sein 24-jähriger Lebensgefährte mit einem Messer angegriffen worden, dem Jüngeren wurde dabei auf den Kopf geschlagen und in den Oberschenkel gestochen. Ein Monat zuvor wurde in der Nähe des aktuellen Tatorts ein 28-Jähriger verprügelt, weil er einer Gruppe Männer zu schwul vorkam. Der alkoholisierte Haupttäter konnte von Zivilfahndern festgenommen werden, konnte aber nach der Blutabnahme die Gefangegensammelstelle wieder verlassen.

Neukölln gilt gemeinsam mit den Bezirken Mitte und Schöneberg als einer der Brennpunkte für Gewalt gegen sexuelle Minderheiten. Einer vorläufigen Statistik der Polizei zufolge gab es im Vorjahr über die gesamte Stadt verteilt 161 Vorfälle im Bereich „Sexuelle Orientierung“ in Berlin. Bei Polizei und Staatsanwaltschaft gibt es in Berlin eigene Ansprechpartner für sexuelle Minderheiten.

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