Bringt italienischer Callboy einen bayerischen Pfarrer zu Fall?

Francesco Mangiacapra berichtete über einen Kunden aus Bamberg - jetzt ist ein Priester aus den Bistum suspendiert

Priester
Symbolbild - Fotolia

Die öffentliche Lebensbeichte eines italienischen Nobel-Callboys bringt nun auch einen Pfarrer im bayerischen Bamberg in die Bredouille: Der als konservativ geltende 51-Jährige wurde suspendiert, weil er offenbar die Dienste des Sexarbeiters in Anspruch genommen haben dürfte.

Gegen Schwule predigen und dann einen Escort buchen: Callboy deckte die Doppelmoral auf

Francesco Mangiacapra
privat

Ins Rollen brachte die Affäre der 37-jährige Francesco Mangiacapra: Der italienische Callboy hatte unter seinen Kunden regen Zulauf aus dem Vatikan, die Geistlichkeit tauschte sich auch intern über seine Qualitäten aus – während sie nach außen weiter gegen Homosexualität, die Öffnung der Ehe und Regenbogenfamilien wetterte.

Dieser Heuchelei wollte Mangiacapra ein Ende bereiten: Der Escort sammelte seine Erfahrungen und die einige seiner Kollegen und leitete sie dem Erzbischof von Neapel in einem 1233 Seiten starken Dossier weiter. Zusätzlich ging er an die Öffentlichkeit, nannte aber von den meisten betroffenen Priestern keine Namen.

Luca Morini
privat

Einer der ersten Geistlichen, die über ihre Gelüste mit dem 37-Jährigen stützten, war „Don Euro“, der Priester von Caniparola, einer kleinen 300-Seelen-Gemeinde in der Toskana. Er soll Nonnen und sogar den Bischof um mehrere hunderttausend Euro erpresst und Spenden hinterzogen haben, um sich Drogen und Escorts zu finanzieren. Nun steht er wegen Erpressung, Untreue und Betrug vor Gericht.

Auch ein deutscher Priester gehörte offenbar zu den Kunden des Escorts

Und auch bis nach Deutschland reichen die Auswirkungen des Callboy-Geständnisses. Letzte Woche sprach Mangiacapra in einem Interview mit dem Magazin stern, dass er auch einen Kunden aus Bayern hatte: „Überall in Italien, in Rom, im Süden des Landes, durch die Chatgruppe war ich schnell bekannt und wurde dementsprechend oft gebucht. Ich hatte auch einen geistlichen Kunden aus Bamberg, der mich buchte, wenn er nach Rom kam“, so der Escort.

Dabei könnte es sich um den 51-jährigen Pfarrer einer Bamberger Kirchengemeinde handeln. Der Mann, der als konservativ und traditionsverbunden gilt, wurde nun wegen „schwerer Verfehlungen“ gegen kirchliche Vorschriften suspendiert. So habe er gegen das sechste Gebot und Bestimmungen, die den Zölibat betreffen, verstoßen. Das sechste Gebot verbietet nicht nur den Ehebruch, sondern wendet sich nach katholischer Lehre gegen jedes Verhalten, das die Liebe zwischen Mann und Frau gefährdet.

Die Kirche bestätigt nicht, dass ein Callboy der Grund für die Suspendierung des Geistlichen ist

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks soll der Geistliche in Rom die Dienste eines Callboys in Anspruch genommen haben – was zu Mangiacapras Erzählung passen würde. Kirchenberichten zufolge soll er die Verfehlungen bereits zugegeben und sich in ein Kloster zurückgezogen haben. Gegenüber der Mediengruppe Oberfranken bestreitet der Pressesprecher des Bistums Bamberg, dass der stern-Bericht zur Amtsenthebung des Priesters geführt habe.

Das Bistum hätten vielmehr „Informationen auf dem kirchlichen Dienstweg direkt aus Rom erreicht und zu der Reaktion veranlasst“. Ob es sich dabei um die Callboy-Affäre handelt, wollte der Pressesprecher nicht kommentieren – unter Berufung auf den Persönlichkeitsschutz.