„Unzensuriert“-User zu Conchita: „Freue mich, wenn Perversling krepiert“

Grüne fordern Stellungnahme von Vizekanzler Strache wegen der FPÖ-Nähe der Webseite

Conchita
ORF/Clever Content

Dass auf der FPÖ-nahen Plattform unzensuriert.at immer wieder gegen Schwule gehetzt wird, ist nichts Neues. Dementsprechend menschenverachtend sind deshalb auch die Kommentare der User zu einer Meldung über das Coming Out von Conchita als HIV-positiv. Nun fordern die Grünen Konsequenzen von der Regierungspartei.

„Ich freue mich immer höllisch mit, wenn so ein armer, bedauernswerter und kranker Perversling krepiert“

Schon die Meldung der Seite selbst strotzt vor Vorurteilen und Unwahrheiten. Wie derStandard.at berichtet, ist dort über das „selbstverschuldete Risiko Aids“ zu lesen. Der anonyme Autor fragt sich, ob bei der Aids-Hilfe Österreich „alle Mitarbeiter auch Aids“ hätten und beklagt sich über den „enormen Berg an Kosten“, den die „zu 99 % selbst verschuldete Krankheit“ für die Allgemeinheit verursachen soll.

Doch in den Kommentaren unter dem Artikel setzen die Leser dieser Rhetorik noch eines drauf. Ein User schreibt: „Ich freue mich immer höllisch mit, wenn so ein armer, bedauernswerter und kranker Perversling krepiert“, ein anderer schreibt von „hirnkranken Gehirnkrüppeln“ oder der „Schwulenpest“, berichtet die Tageszeitung.

Für die Verbreitung von HIV sorgen einem User zufolge „‚Bimbo & Co‘ und die, die auf deren ‚Meterware‘ stehen“

Und auch gegen Ausländer wird in den Kommentaren gehetzt: So seien afrikanische Zuwanderer für HIV-Infektionen verantwortlich, meint ein User: „Dafür sorgen schon ‚Bimbo & Co‘ und die, die auf deren ‚Meterware‘ stehen“ Ein anderer User behauptet, HIV sei keine Viruserkrankung, sondern entstehe, wenn beim Analverkehr Kot „in den Mastdarm“ geschoben werde.

Auf eine entsprechende Anfrage des Standards gab es von unzensuriert.at am Donnerstag keine Reaktion. Freitagmittag waren der Artikel und die Kommentare nach Recherche von GGG.at nicht mehr verfügbar. Allerdings waren bei ähnlichen Artikeln auch Kommentare mit sinngleichem Inhalt zu finden.

Die Macher der Webseite sind im Umfeld der FPÖ zu finden – die Grünen fordern Konsequenzen

Für unzensuriert.at sind dem Vereinsregister zufolge zwei Funktionäre der FPÖ verantwortlich. Gegründet wurde das Portal vom FPÖ-Abgeordneten Martin Graf. Der ehemalige Chefredakteur Alexander Höferl ist nun im Kabinett von Innenminister Herbert Kickl für die Kommunikation zuständig.

Aufgrund dieser Verbindungen fordern die Grünen nun Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache auf, Stellung zu beziehen. „Die homophobe und menschenverachtende Hetze, die über die FPÖ-nahe Seite Unzensuriert verbreitet wird, kann nicht vom höchsten Vertreter des Landes schweigend hingenommen werden“, betont Ewa Dziedzic, Bundesrätin und Sprecherin der Grünen Andersrum.

Und Thomas Lechleitner, Bundessprecher der Grünen Andersrum, ergänzt: „Das Thema HIV ist hochsensibel. Sowohl die Testungs- und Behandlungsmöglichkeiten, aber vor allem auch die Prävention sind dringend weiter in den öffentlichen Fokus zu rücken, wenn wir die Neuinfektionen reduzieren und irgendwann sogar ganz stoppen wollen. Dass wieder so offen gegen betroffene Menschen gehetzt wird, ist erschreckend.“

SPÖ-Gesundheitssprecherin Rendi-Wagner kritisiert Postings als „menschenverachtend und widerwärtig“

Auch in der SPÖ ist man über diese Hass-Postings bestürzt. SPÖ-Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner stellt klar: „Mich machen diese Aussagen wütend und fassungslos. Sie sind menschenverachtend, widerwärtig und zeigen mir, dass die Diskriminierung von HIV positiven Menschen, die oftmals auch mit Homophobie verwoben ist, offenbar noch kein Ende gefunden hat“.

Und der Nationalratsabgeordnete Mario Lindner, der auch Vorsitzender der sozialdemokratischen LGBTIQ-Organisation SoHo ist, ergänzt: „HIV-Infizierte werden in unserer Gesellschaft noch immer viel zu oft stigmatisiert und ausgeschlossen. Gerade deshalb darf es nicht unkommentiert bleiben, wenn Menschen, die ihre Infektion öffentlich machen, mit letztklassigen Beleidigungen und offenen Gewaltaufrufen konfrontiert werden!“