Brasilien: Heiße Spur nach Mord an lesbischer Lokalpolitikerin?

Die Staatsanwaltschaft scheint zu ahnen, wer Marielle Franco ermordet haben könnte

Marielle Franco
Midla Ninja - CC BY-SA 2.0

Vor fast zwei Monaten wurde in Rio de Janeiro die bekannte lesbische Aktivistin und Lokalpolitikerin Marielle Franco in ihrem Auto mit neun Schüssen regelrecht hingerichtet. Nun gibt sich die Polizei der brasilianischen Stadt optimistisch, den Täter bald zu fassen und ihn vor Gericht stellen zu können.

Marielle Franco setzte sich für die Minderheiten von Rio ein

Die 38-Jährige saß für die linke Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) im Stadtrat von Rio de Janeiro. Die offen lesbische Politikerin, die bei der Bevölkerung sehr beliebt war, trat auch für die Rechte sexueller Minderheiten ein.

Vor allem setzte sich Marielle Franco aber für die Bevölkerung in den Favelas, den Armenvierteln der Stadt, ein. Kurz vor ihrem Tod hatte sie der Polizei vorgeworfen, Polizeibeamte hätten mehrere Morde begangen. In Rio leitete sie eine Kommission, die den Polizei- und Militäreinsatz gegen Drogenbanden in den Favelas überwachen soll.

Ihr Mord glich einer Hinrichtung – ein politisches Motiv war wahrscheinlich

Anfang März wurde Franco in ihrem eigenen Auto erschossen, als sie nach einer Veranstaltung nach Hause kam. Ein Auto mit zwei Insassen hielt neben ihr an und schoss neun Mal auf den Wagen der Politikerin. Er traf Franco dreimal in den Kopf, auch ihr Fahrer wurde getötet. Ihr Pressesprecher, der auf dem Rücksitz saß, überlebte den Anschlag verletzt.

Polizei, Staatsanwaltschaft und sogar lokale Gang-Führer gingen schon bald nach dem Anschlag von einem politischen Motiv aus. Nun dürften die Beamten kurz vor einem Durchbruch stehen. Bei einem Treffen mit Bundespolitikern ließen hochrangige Polizeibeamte durchblicken, dass sie über neue Informationen verfügen, die sie zum Mörder von Marielle Franco bringen könnte.

Ein Abgeordneter und ein ehemaliger Militärpolizist sollen hinter dem Mord stehen

Schon in Kürze könnten sie Beweise für das Gericht und die Geschworenen verwertbar aufbereiten, ist der zuständige Bundesstaatsanwalt Jean Wyllys zuversichtlich. Die Polizei glaube, eine heiße Spur zu haben, sagte Wyllys der Huffington Post. Und Medienberichten könnte diese Spur zurück zur Polizei führen.

Wie der TV-Sender Globo berichtet, soll ein anonymer Zeuge einen Abgeordneten und einen ehemaligen Offizier der Militärpolizei identifiziert haben, die hinter der Ermordung von Marielle Franco stehen sollen. Die Betroffenen weisen jeden Zusammenhang zum Tod der Politikerin zurück. Zwei hochrangige Militärpolizisten sollen dann den Anschlag verübt haben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Der Mordanschlag auf Marielle Franco hat im ganzen Land zu einer Welle von Protesten geführt. So zog kurz nach dem Tod der Politikerin eine riesige Menschenmenge durch die Innenstadt von Rio de Janeiro, um Franco zu gedenken. Mit weit mehr als 10.000 Teilnehmern war es eine der größten spontanen Demonstrationen in der Stadt seit Jahren.