[Video] Song Contest: Netta gewinnt – aber nicht bei allen schwulen Fans

Erstaunliches Ergebnis bei einer User-Befragung der Dating-App PlanetRomeo

Netta
EBU/Andres Putting

Der 63. Song Contest in Lissabon ist geschlagen: Netta Barzilai aus Israel konnte am Samstag mit „Toy“ am meisten Punkte für sich verbuchten. Der österreichische Teilnehmer César Sampson erreichte nach dem ersten Platz in der Jurywertung nach einem schwachen Ergebnis im Publikumvoting noch Platz drei. Und unter den Usern der schwulen Dating-Plattform Romeo gab es überhaupt einen anderen Favoriten.

„Ich musste nie eine Botschaft transportieren, ich musste einfach ich sein“, sagt Netta nach ihrem Sieg

Bereits von Anfang an zählte Netta zum Favoritenkreis: Mit ihrer schrillen und bunten Show konnte sie sowohl beim Publikum als auch bei der Jury punkten, insgesamt 529 Mal. Pure Energie und eine wichtige Botschaft – das konnte die 25-Jährige spielend vereinen.

„Ich musste nie eine Botschaft transportieren, ich musste einfach ich sein“, sagt sie über ihren Song. Nun möchte sie junge Menschen zu mehr Selbstbewusstsein motivieren. „Wenn die junge Netta mich zur Primetime hätte sehen können, wäre die junge Netta weniger unglücklich gewesen“, so die Sängerin bei der Pressekonferenz nach ihrem Sieg.

Song Contest in Jerusalem könnte die Veranstalter vor Herausforderungen stellen

Bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen von Tel Aviv sagte Netta, sie freue sich sehr, „dass die Eurovision nächstes Jahr bei uns in Israel stattfindet“. „Das ist ein großer Moment für mich, für uns als Delegation und für unser Land, das sonst nicht viel Grund zur Freude hat“, erklärt sie weiter. Es ist Israels vierter Sieg beim Eurovision Song Contest. Zum letzten Mal siegte das Land vor 20 Jahren mit „Diva“ von Dana International.

Wie damals bedeutet das auch heute, dass der nächste ESC-Wettbewerb im kommenden Jahr in Jerusalem stattfindet – was nicht ganz problemlos sein dürfte. Denn neben Fragen der Finanzierung und Sicherheitsbedenken könnte es Proteste streng religiöser Juden geben, weil das Finale am Sabbat, dem heiligen Ruhetag, stattfinden wird. Auch die zahlreichen schwulen und lesbischen Fans könnten in dem eher religiös und konservativ geprägten Jerusalem zu zusätzlichen Spannungen führen.

Cesár Sampson begeisterte die Jury

Für die große Überraschung des Abends sorgte aber der österreichische Teilnehmer César Sampson. Seine von Soul und R’n’B inspirierte Ballade „Nobody But You“ hat mit einigem Vorsprung die Jury-Wertung gewonnen. Nach der Publikumswertung landete er mit 342 Punkten vor Deutschland auf dem dritten Platz.

Sampson konnte dabei wohl nicht nur durch seine Stimme, sondern in der schrillen Welt des Song Contests auch durch Tiefgang und Unaufgeregtheit punkten. „Wir saßen im Green Room und dachten: Okay, wir haben einen Nerv getroffen – das Lied wurde so gehört, wie wir es wollten, dass es gehört wird“, so der Interpret.

Auch von der britischen Jury gab es die vollen zwölf Punkte

Aus sieben Ländern, darunter auch dem „Mutterland des Pop“, Großbritannien, gab es sogar die volle Punktezahl. Auch aus Island, Belgien, Israel, Estland, Litauen, Polen, Rumänien und Bulgarien gab es von der Jury die volle Punktzahl. „Wir haben uns angeschaut und uns zugenickt – es ist aufgegangen.“, erinnert sich Sampson an die Punktevergabe.

Für Sampson ist der dritte Platz ein toller Erfolg. „Zu weinen habe ich angefangen, als schon lange klar war, dass wir Dritter sind. Da erst habe ich realisiert, wie glücklich mich das macht“, gesteht er Journalisten bei seiner Ankunft am Wiener Flughafen.

Auf dem Ranking der Eurovisions-Schnuckel landete Cesár Sampson auf dem zweiten Platz

Unter den schwulen und bisexuellen Usern der Dating-App Romeo landete Cesár Sampson übrigens nur auf Platz acht. Von den 43.656 Usern stimmten 444 für den Oberösterreicher. Auf Platz eins landete überraschenderweise Zypern, deren Interpretin Eleni Foureira mit „Fuego“ 1228 User überzeugte. Israels Netta folgte mit „Toy“ mit 875 Stimmen auf Platz zwei.

Dafür erreichte Cesár Sampson bei der Romeo-Abstimmung über die Eurovision-Hotties den zweiten Rang – noch vor dem tschechischen Twink Mikolas Josef, nur geschlagen vom Niederländer Waylon, der mit seinem Country-Song „Outlaw In ‚Em“ angetreten war.