Hass auf sexuelle Minderheiten in Europa „erschreckend weit verbreitet“

Menschenrechtskommissarin des Europarates zieht eine ernüchternde Bilanz

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Hass auf Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle ist in Europa „erschreckend weit verbreitet“, warnt Dunja Mijatović, die Menschenrechtskommissarin des Europarates. In vielen europäischen Ländern hinderten Vorurteile und Gewalt Homosexuelle und Transsexuelle daran, frei und sicher zu leben. Das erklärte Mijatović in Straßburg anlässlich des heutigen Internationalen Tages gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOBIT).

Die Menschenrechtskommissarin betonte, dass 2017 ein besonders schwieriges Jahr für sexuelle Minderheiten gewesen sei. So seien in Tschetschenien beispielsweise mehr als 100 schwule und bisexuelle Männer verschleppt, gefoltert und gedemütigt worden – was erst Anfang der Woche der russische Justizminister Alexander Konowalow gegenüber dem UN-Menschenrechtsbeirat bestritt.

Übergriffe in Tschetschenien und Aserbeidschan sind nur „drastische Beispiele für weit verbreitetes Problem“

Auch in der ehemaligen Sowjetrepublik Aserbeidschan seinen Schwule und Trans-Personen angegriffen worden, so Mijatovic: Sie wurden geschlagen, gegen ihren Willen sind an ihnen medizinische Untersuchungen durchgeführt worden. Das seien aber nur besonders drastische Beispiele für ein weit verbreitetes Problem, so die aus Bosnien stammende Kommissarin.

Dunja Mijatović forderte deshalb die politisch Verantwortlichen der 47 Mitgliedsstaaten des Europarats auf, mehr zum Schutz von Homo- und Transsexuellen zu unternehmen. Diese forderten keine neuen oder zusätzlichen Rechte, betont sie. „Sie sollten dieselben Freiheiten und denselben Schutz genießen wie jeder andere auch.“

Der 17. Mai wird in mehr als 130 Staaten der Erde als internationaler Aktionstag begangen: Es soll an den 17. Mai 1990 erinnert werden, an dem die UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen hat. Seit 2004 wird dieser Tag jährlich genutzt, um durch Aktionen auf Diskriminierungen hinzuweisen, Gewalt gegen sexuelle Minderheiten aufzuzeigen und politische Maßnahmen dagegen einzufordern.