Russland: Erster LGBT-Aktivist bei Fußball-WM festgenommen

Der britische Aktivist Peter Tatchell wurde nach einem einsamen Protest von der Polizei festgenommen

Protest von Peter Tatchell
Peter Tatchell/Twitter

Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Organisatoren ist bereits wenige Stunden vor Beginn der Fußball-WM in Russland der erste LGBT-Aktivist festgenommen worden. Der Brite Peter Tatchell wurde nach einem einsamen Gegenprotest vorübergehend festgenommen. Das berichtet das deutsche Online-Portal queer.de. Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß.

Peter Tatchell protestierte gegen die Untätigkeit der Russen in Tschetschenien

Tatchell hatte als einzelner Demonstrant ein Schild hochgehalten, auf dem „Putin unternimmt nichts gegen die Folter von homosexuellen Menschen in Tschetschenien“ stand. Damit wollte er auf den mangelnden Willen der russischen Behörden aufmerksam machen, die Verfolgung der LGBT-Community in Tschetschenien zu untersuchen.

Daraufhin wurde er von Polizisten vorübergehend festgenommen und auf eine Polizeiwache in der Nähe. Dort wurden seine Personalien aufgenommen. Nach Angaben seines Sprechers war er etwa eine Stunde nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß.

Das Recht auf Demonstration wurde für die Fußball-WM eingeschränkt

Normalerweise brauchen Einzelpersonen in Russland keine Genehmigung, wenn sie demonstrieren. Allerdings wurde rund um die Fußball-WM dieses Recht eingeschränkt. So sind in den nächsten Wochen auch Proteste in Nähe des Kremls untersagt.

Deshalb empfiehlt auch „fare“, ein internationales Netzwerk gegen Diskriminierung im Fußball, von Protesten jeglicher Art Abstand zu nehmen. Man sollte nicht „an Protestaktionen teilnehmen, um die Rechte der LGBT-Gemeinde zu verteidigen – auch nicht, indem Sie alleine mit einer Regenbogenflagge auf einem Platz stehen“, heißt es in einem Ratgeber des Netzwerks.

Die Versprechungen der Organisatoren scheinen nicht viel wert zu sein

Die Organisatoren der Fußball-WM versuchen im Vorfeld, die Gefahr für LGBT-Fans zu relativieren. Fußballfans, die im Stadion eine Regenbogenfahne schwenken, würden demnach nicht nach dem umstrittenen Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verantworten, das im Jahr 2012 verabschiedet wurde, hieß es.

Doch außerhalb des Stadions sind diese Versicherungen offenbar nichts wert. Das erinnert an die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi – wo es ähnliche Versicherungen gab. Trotzdem wurde damals die italienische Transsexuellen-Ikone Vladimir Luxuria verhaftet, weil sie mit einem Transparent „gegen die schwulenfeindliche Position“ von Präsident Wladimir Putin protestieren wollte.

Das heutige Eröffnungsspiel zur Fußball-WM gewann übrigens Gastgeber Russland gegen Saudi-Arabien, wo auf Homosexualität die Todesstrafe droht, mit 5:0.