So gefährlich ist die Fußball-WM in Russland für schwule und lesbische Fans

Warnungen, Drohungen - und ein verzweifeltes Versprechen der Organisatoren

Fußball
Symbolbild - Fotolia

Heute startet in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft. Doch wie gefährlich ist der Bewerb für schwule, lesbische, bisexuelle oder transgender Fans? Es gibt einige Anzeichen, dass  diese trotz beruhigender Ankündigungen der Organisatoren für einige Gruppen in Russland zu einem besonderen Ziel erklärt wurden.

In Rostow am Don will ein Biobäcker keine Schwuchteln im Geschäft

So heißt es auf einem Holzschild, das ein Biobäcker in Rostow am Don vor seinem Geschäft in der Innenstadt aufgehängt hat, ganz klar: „Faggots not Allowed“ – Schwuchteln nicht willkommen. Die Stadt mit 1,1 Millionen Einwohnern ist einer der Austragungsorte für die WM, hier finden Spiele von Russland, Ägypten, Nigeria, Argentinien, Brasilien, der Schweiz, Südkorea und Mexiko und eine Achtelfinal-Begegnung statt.

Für die Sicherheit in Rostow am Don sollen auch paramilitärische Kosaken-Einheiten sorgen. Die bis zu 300 Männer sollen die Polizei dabei unterstützen. Gegenüber dem Sender „Current Time“ sagte Sprecher Oleg Barannikow, dass man tolerant sei, aber  gleichgeschlechtliche Küsse nicht ignorieren könne. „Wenn sich zwei Männer bei der Weltmeisterschaft küssen, sagen wir das der Polizei“ – und das sei dann ihre Sache. Für Kosaken hätten der orthodoxe Glaube und traditionelle Familienwerte einen hohen Stellenwert.

Auf einer Webseite wurde zur Jagd auf Schwule aufgerufen – auch zur WM?

Anfang Mai wurde schließlich bekannt, dass eine Webseite nach Vorbild des US-Horror-Schockers „Saw“ zur organisierten Jagd auf Schwule aufgerufen hat. Mikhail Tumasov, Vorsitzender des russischen LGBT-Network, fürchtet, dass es die Macher des Spiels auch auf Fußballfans abgesehen haben könnte.

Er gibt LGBT-Besuchern der Fußball-Weltmeisterschaft den gleichen Rat, den er auch Einheimischen gibt: „Seid sehr vorsichtig, wenn ihr online Einladungen zu Dates bekommt und nehmt immer einen Freund mit, wenn ihr jemanden online zum ersten Mal trefft“, erklärt er.

„Fernab der Stadtzentren“ sollte man keine „eindeutigen Symbole“ tragen

Ähnlich sind auch die Ratschläge des internationalen „fare“-Netzwerk gegen Diskriminierung im Fußball. Die Aktivisten haben eine eigene Broschüre herausgegeben, wie sich Fußball-Fans, die einer ethnischen oder sexuellen Minderheit angehören, verhalten sollten. So sei es zwar für gleichgeschlechtliche Paare möglich, Händchen zu halten – aber nicht überall. Man rate „fernab von den Stadtzentren und in einer Umgebung, die weniger offen scheint“ davon ab, eindeutige Symbole zu zeigen.

Auch sollte man seine Homosexualität verbergen, wenn man nicht im Hotel untergebracht ist: Es sei „besser, diskret zu sein, wenn sie private Unterkünfte buchen. Buchen Sie dann zum Beispiel zwei Zimmer.“, rät das Anti-Diskriminierungs-Netzwerk. Auch „fare“ rät zur Vorsicht bei der Verwendung von Dating-Apps: „Es gibt Fälle, in denen homophobe Gruppen Nutzer eintragen, um LGBT-Menschen zu Treffen zu lotsen, bei denen sie dann erniedrigt oder erpresst werden.“

Die Organisatoren versuchen zu beruhigen

Die Organisatoren der Fußball-WM versuchen unterdessen die Gefahr für LGBT-Fans zu relativieren. Fußballfans, die im Stadion eine Regenbogenfahne schwenken, würden demnach nicht nach dem umstrittenen Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verantworten, das im Jahr 2012 verabschiedet wurde. Doch was diese Ankündigung wert ist, weiß man nicht – ähnliche Zusicherungen im Vorfeld der Olympischen Spiele von Sotschi 2012 wurden nicht immer eingehalten.

Gewalt gegen sexuelle Minderheiten breitet sich in Russland derzeit rasant aus: Wie eine Studie des Center for Independent Social Research im Sommer bestätigt hat, hat sich die Zahl schwerer Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten, darunter vor allem Morde, nach der Verabschiedung des Gesetzes gegen „Homo-Propaganda“ verdoppelt.