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Weihbischof Laun: Rede vor 'besorgten Bürgern' in Stuttgart

Verbreitet der Salzburger Weihbischof seine wirren Thesen zu Homosexualität?

Andreas Laun - Archiv

Andreas Laun - Archiv
26.02.2016 | 16:09 | von Andreas Markus

Am Sonntag trifft sich um 14.00 Uhr auf dem Schillerplatz in Stuttgart ein unheilvolles ein Bündnis von Rechtspopulisten, christlichen Fundamentalisten und konservativen Reaktionären zu der siebenden „Demo für Alle“. Zum ersten Mal tritt dort auch der Salzburger Weihbischof Andreas Laun auf, in der Vergangenheit ein entschiedener Gegener der Rechte von Lesben und Schwulen. LGBT-Aktivisten rufen zu Gegendemonstrationen auf.

Auslöser für die „Demo für Alle“ war der Bildungsplan für das Bundesland Baden-Württemberg, den die grün-rote Landesregierung ausgearbeitet hat. Darin sollten Kinder altersgerecht an das Thema Sexualität herangeführt werden, auch andere geschlechtliche Orientierungen und Identitäten sollten ein Thema sein.

Mittlerweile wurde aus den Demos ein Bauchladen für „besorgte Bürger“: Die Thematisierung aller sexuellen Lebensformen in der Schule, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, die durch Fakten nicht nachvollziehbare Angst vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ oder den diffusen „Gender-Wahn“, den auch seine Gegner nicht genau erklärten können – all das sind Themen der Demonstration. Den Teilnehmern geben die rechtskonservativen Organisatoren das Gefühl, für die Werte einer Zeit einzutreten, in der alles irgendwie besser und einfacher war. Politische Verbindungen gibt es unter anderem zur CDU und zur AfD.

Wie aus der Rednerliste hervorgeht, tritt diesmal zum ersten Mal der umstrittene Salzburger Weihbischof Andreas Laun auf der Bühne auf. Der 73-Jährige gilt als einer der konservativsten Würdenträger der römisch-katholischen Kirche in Österreich. In der Vergangenheit hat er sich immer wieder gegen die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender ausgesprochen.

So hat er bereits im November 2007 gemeint, Homosexualität sei nutzlos: Homosexualität stelle Homosexualität „keinen Nutzen für die Allgemeinheit dar, sondern eher im Gegenteil: homosexuelle Aktivitäten bergen ein Gesundheitsrisiko in sich, wie es für andere Menschen nicht besteht“, schreib er in einem Gastbeitrag für die katholische „Tagespost“.

Im Jänner 2009 schreibt er auf der konservativen Homepage „kath.net“ über die „Homosexualisierung der Gesellschaft“, Lesben und Schwule würden wie Moslems denken, wenn sie behaupten, dass ihre sexuelle Orientierung nicht verändert werden könne. Schließlich sei es auch im Islam verboten, auszutreten. Im Gegenteil: Homosexuelle hätten ein „Recht auf Heilung“: Es gebe „Beispiele von Menschen, die viele Jahre lang homosexuell gelebt haben und danach gesagt haben: Es ist mir gelungen, auszusteigen, und ich bin sehr glücklich darüber“, so Laun im August 2015 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“.

Im Mai 2014 warnte er, erneut auf „kath.net“, vor einer Öffnung der Adoption für schwule und lesbische Paare: „Die Gefahr des Missbrauchs ist bei homosexuellen Menschen höher als bei Heterosexuellen. Wenn die homosexuelle Neigung eine ‚Unordnung‘ im Bereich der Sexualität ist, ist zu erwarten, dass sich diese auch in einer anderen Richtung manifestieren kann“, setzt er Regenbogeneltern unter Generalverdacht.

Und im Jänner 2015 sorgte Weihbischof Laun schließlich für Schlagzeilen, als er die LGBT-Bewegung indirekt mit dem Nationalsozialismus gleichsetze. Bei einem Vortrag im Kloster Marienwald bei Köln beklagte er, dass „Homo-Heiler“, die ihre gefährlichen Therapien praktizieren wollen, mit einer Entlassung rechnen. Er sei fassungslos, „dass sich keiner gegen eine solche Homo-Diktatur wehre“ und zog einen Vergleich zum Nationalsozialismus: So würde die heutige Generation ihren Eltern und Großeltern immer wieder vorwerfen, „gegenüber den Untaten der Nazis geschwiegen zu haben. Damals sei es lebensgefährlich gewesen zu reden. Heute sei es noch nicht lebensgefährlich, und die meisten schwiegen trotzdem“, ärgert sich der Weihbischof.

In Stuttgart ist Laun nun in guter Gesellschaft: Auf der Redeliste ist außerdem noch die umstrittene Publizistin und CDU-Mitglied Birgit Kelle, Autorin des 2015 erschienenen Buches „GenderGaga“. Im Jahr 2013 kritisierte sie der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolas Schneider, als Beispiel für Menschen, die mit dem Begriff „Gender“ wenig anfangen könnten. Ihr „Aufschrei“ gegen einen „vermeintlichen Genderwahn“ sei eine „populistische Anbiederei an veränderungsunwillige konservative Kreise“.

Auch Hartmut Steeb, Generalsekretär der Evangelischen Allianz wird zum ersten Mal selbst auf der „Demo für Alle“ sprechen. Die Evangelische Allianz ist eine Gruppe konservativ-reaktionärerer Protestanten. Sie haben von Anfang an gegen den Bildungsplan von Baden-Württemberg protestiert, doch Steeb selbst ist in Stuttgart noch nie auf der Bühne gestanden.

Gegen die „Demo für Alle“ demonstriert das Bündnis „Vielfalt für alle“. Ihm gehören unter anderem der Stuttgarter CSD oder die Facebook-Aktivisten von „Enough is Enough“ an. Die Demo-Gegner treffen sich ab 14.00 Uhr auf dem Kleinen Schloßplatz in Stuttgart. Bereits ab 12.30 Uhr startet das „Aktionsbündnis gegen die Demo für Alle“ auf dem Schloßplatz mit seinem Programm.