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Facebook sperrt spanische 'Occupy Pedophilia'-Seite

Jugendliche schikanieren Schwule nach russischem Muster

Screenshot - Facebook

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16.12.2013 | 13:53 | von Chris Karnak

Facebook hat nach internationalen Protesten eine spanische Fanseite gesperrt, die nach russischem Vorbild Jagd auf Schwule macht – unter dem Deckmantel, Pädophile zu jagen.

Die Parallen sind klar: wie russische Gruppen locken auch bei „Proyecto Pilla Pilla“ Jugendliche angebliche Pädophile zu einem Date, filmt das Treffen, schikaniert die Betroffenen und führt sie dann im Internet vor. Auch das Erkennungsmerkmal, ein abgewinkelter „Gefällt mir“-Daumen, ist von den russischen Neonazis übernommen. Mittlerweile hat die Gruppe drei dieser Selbstjustizvideos in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Der Erfolg der spanischen Nachahmer ist erschreckend: Die Jugendlichen bekamen bei Facebook in rund einem Monat über 40.000 Fans, die meisten zwischen 18 und 24 Jahre alt. Selbst gibt man sich zahm. „Wir gehören zu keiner Neonazi-Gruppe oder sind rechts­ge­richtet oder radikal“, schreiben sie. Man sei nicht homophob und wolle Pädophile nur überführen, anstatt Gewalt auszuüben. Daneben posieren sie vermummt mit einem Baseballschläger.

Und Facebook war zunächst nicht gewillt, etwas zu tun. Zahlreiche Lesben und Schwulen meldeten die Seite. Unter ihnen auch der Berliner Pornostar Tim Krüger, der nun in Barcelona lebt. Er forderte auch all seine Facebook-Fans auf, die Seite zu melden. Doch ohne Erfolg: Das soziale Netzwerk konnte in der schwulenfeindlichen Seite zunächst keine Verletzung seiner Gemeinschafts-Standards erkennen.

Doch nach heftigen Protesten scheint Facebook nun doch seine Meinung geändert zu haben. Heute Mittag bekamen alle, die „Proyecto Pilla Pilla“ gemeldet hatten, eine gute Nachricht. Die Seite wurde wegen „glaubhafter Gewaltandrohung“ gesperrt. Allerdings haben die Macher der Hass-Page sofort eine neue Version von „Proyecto Pilla Pilla“ auf Facebook angelegt. Hier verzichten sie noch auf die klaren rechtsradikalen Symbole. Innerhalb weniger Stunden hatte die Seite wieder über 200 Fans.

Ein schaler Beigeschmack bleibt nicht nur deshalb in dieser Angelegenheit. Und die Frage, warum Facebook bei Hass-Propaganda so lange braucht um zu reagieren. Denn geht es um nackte Haut oder schwule Küsse, dauert es oft nur wenige Minuten bis zur Löschung.