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Ehemann stirbt in den Flitterwochen: Witwer für australische Behörden ein Unbekannter

Weil Australien Homo-Ehen nicht anerkennt - Entschuldigung von der Politik

Marco und David Bulmer-Rizzi - Privat

Marco und David Bulmer-Rizzi - Privat
21.01.2016 | 12:02 | von Chris Karnak

Marco Bulmer-Rizzi ist wohl das Schlimmste passiert, was einem frisch verheirateten Mann passieren kann: Sein Mann David ist in den Flitterwochen gestorben. Doch der Alptraum ging dann erst richtig los: Er musste um sein Recht kämpfen, als nächster Angehöriger anerkannt zu werden - und scheiterte. Denn Australien, wo der tödliche Unfall geschah, erkennt gleichgeschlechtliche Ehen nicht an. Für die Behörden ist sein Witwer deshalb ein Fremder.

Das tragische Ende der Flitterwochen

Es geschah am letzten Wochenende: Die beiden Männer waren bei Freunden in Adelaide im Süden Australiens zu Besuch, David Bulmer-Rizzi fiel unglücklich die Treppe hinunter. Dabei zog sich der 32-Jährige einen tödlichen Schädelbruch zu.

„Ich ging zu Bett und David wollte gleich nachkommen. Er las gerade etwas auf seinem Kindle. 45 Minuten später bin ich aufgewacht und hörte dieses grauenhafte Geräusch, ich habe das Licht angemacht und er lag da, am Fuß der Treppe in einer Blutlacke“, erinnert er sich gegenüber dem Online-Portal Buzzfeed an diesen Moment.

Es gab keine Hoffnung mehr

Die Notfall-Medizier versuchten eine Stunde lang, ihn zu retten. Sie versetzten David in ein künstliches Koma, um weitere Schäden zu verhindern. Er kam ins Krankenhaus, wo Marco erklärt wurde, dass der Zustand seines Mannes kritisch sei und es wohl angebracht sei, jene Familienmitglieder, die nach Australien kommen sollten, anzurufen.

„Sie sagten mir, er würde innerhalb von 24 Stunden sterben. Es gab nichts, was sie noch tun konnten.“ Marco verständigte seine Schwiegereltern, die sofort nach Australien kamen. Am nächsten Tag wurde sein Mann für hirntot erklärt. Seinem letzten Wunsch gemäß wurden ihm seine Organe entnommen und David Bulmer-Rizzi verstarb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Das Ende einer großen Liebe

Marco und David hatten sich vor fünf Jahren kennengelernt und ineinander verliebt. Im Juni 2015 haben sie zunächst im kleinen Kreis im Süden von London geheiratet, danach folgte eine große Feier mit Familien und Freunden im griechischen Santorin.

Nun waren sie für ihre verspäteten Flitterwochen ein gutes Monat in Australien. Auf der letzten Station ihrer Reise geschah das Unglück.

Der Verstorbene ist laut Totenschein „ledig“

Doch das tragische Ende dieser Reise war nicht die einzige Katastrophe: Weil Australien keine gleichgeschlechtlichen Ehen anerkennt, ist auf dem Totenschein von David Bulmer-Rizzi als Familienstand „ledig“ eingetragen. Sein Ehemann gilt nach australischem Recht nicht als Angehöriger. Für die Behörden sei er „ein Niemand“, sagt er resignierend gegenüber BuzzFeed.

Ansprechpartner für alle anstehenden Fragen war der Vater des Verstorbenen, Nigel Bulmer. „Ich wurde komplett übergangen. Ich war der nächste Angehörige. Bei jeder einzelnen Frage - ob David eingeäschert werden soll, ob es eine Gedenkfeier geben soll, sogar die Kosten für den Sarg - fragten sie Davids Vater, nachdem ich meine Antwort gegeben hatte.“ Auch der fand die Situation sehr verstörend: „Das erste, was Davids Vater ihnen sagte, war: ‚Marco ist David’s Ehemann. Er entscheidet.‘ Er sagte, sie sollten nicht mit ihm reden, aber sie haben es immer weiter gemacht“, erinnert sich Marco Bulmer-Rizzi.

Irritation bei britischer Diplomatie

Das Büro des britischen High Commissioner in der australischen Hauptstadt Canberra nannte den Vorgang „sehr verstörend“ und versprach, sich darum kümmern zu wollen. Bulmer-Rizzi hat sich auch an den britischen Premier David Cameron und das Außenministerium seines Landes gewandt. „Mir ist klar, dass sie australisches Recht nicht ändern können, aber das verlange ich gar nicht von ihnen. Ich verlange von meinem eigenen Land, für seine eigenen Gesetze einzustehen. Wenn sich die britische Regierung bewusst ist, dass andere Länder die gleichgeschlechtliche Ehe nicht respektieren, sollten sie versuchen, ihr Gesetz zu verteidigen“, so der Witwer.

Entschuldigung der Politik - und ein neuer Totenschein?

Nun ist die australische Politik offenbar um Schadenbegrenzung bemüht: Der neue Premierminister von Südaustralien, Jay Weatherill, hat den Witwer mittlerweile persönlich angerufen. „Wir haben gute zehn Minuten miteinander telefoniert. Er hat sich entschuldigt. Er sagte, er würde an Möglichkeiten arbeiten, die eine solche Situation in der Zukunft verhindern könnten“, so Marco Bulmer-Rizzi gegenüber BuzzFeed.

In den nächsten Monaten sollen die entsprechenden Gesetze geändert werden. „Er hat mir versprochen, dass sie mir einen neuen Totenschein ausstellen, sobald das passiert ist.“

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