HOSI Wien erhebt schwere Vorwürfe gegen Justiz

Schwere Vorwürfe erhebt die HOSI Wien gegen das Bezirksgericht Wien-Donaustadt: Durch deren Schlamperei soll das vermutlich wichtigste Archiv zur österreichischen Homosexuellengeschichte der 1960er bis 1980er Jahre vernichtet worden sein. Dieses Archiv war in der Wohnung von Franz Xaver Gugg, einem Pionier der österreichischen Homosexuellenbewegung. Nach dessen Tod vor über drei Jahren wurde der Wohnungsinhalt zwangsgeräumt und ging damit unwiederbringlich verloren. Laut HOSI Wien kam es dazu, weil der zuständige Richter den Beschluss, den Wohnungsinhalt in einem Depot zu lagern, nicht nur viel zu spät ausfertigte, sondern irrtümlich auch noch zwei Verlassenschaftskuratoren zur Abwicklung der Verlassenschaft bestellte.

Gugg wurde 1969, zu Zeiten des Totalverbots, wegen seiner Homosexualität zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er verlor dadurch nicht nur seinen akademischen Grad, sondern auch die bürgerlichen Rechte und sein Anwaltspatent. Nach Aufhebung des Totalverbots 1971 musste Gugg sich Doktortitel, Wahlrecht und Rechtsanwaltszulassung wieder mühsam erkämpfen – in letzterem Fall dafür sogar bis vor den Verfassungsgerichtshof ziehen.

Links zum Thema

  • Weitere Informationen über das Leben von Franz Xaver Gugg und den Justizskandal um seinen Nachlass: http://www.hosiwien.at/?p=598.