Deutscher schwuler Porno-Oscar: Skandal um Preisverleihung

Im Rahmen der Venus-Erotikmesse in Berlin wurde jetzt zum zweiten Mal der "Gay David Award" vergeben. Er soll das europäische Gegenstück zu den amerikanischen GayVN werden, doch das ist gründlich in die Hose gegangen. Die Studios warfen einander vor, die Preise gekauft zu haben, und die Amerikaner reagierten entsetzt auf die hohe Zahl der Bareback-Filme unter den Preisträgern.
So wurde "Bareback Cumparty 1-7" als "beste Movie-Serie" ausgezeichnet, "Bareback Ranch" erhielt den Preis als bester "Outdoor-Film". "Ich war sehr enttäuscht, dass der David-Award keinen Wert auf qualitativ hochwertige Filme legt, sondern für alles wirbt, was Bareback beinhaltet", erklärte Regiestar Chi Chi LaRue, die selbst einen Preis als "bester amerikanischer Regisseur" erhielt. Und Regisseur Bruce Cam, lehnte seine Auszeichnung, den "David Lifetime Achivement Award" ab. "Ich kann den Preis nicht mit gutem Gewissen von einer Organisation annehmen, die Bareback glorifiziert", erklärte Cam, der auch Vorstandsvorsitzender von Titan Media ist. "Ich kann diesen Preis nicht akzeptieren, da an ihm das Blut von Menschen klebt", so Cam. Bei den amerikanischen GayVN-Awards, bei denen Cam schon mehrfach Preise einheimste, sind Bareback-Produktionen vom Wettbewerb ausgeschlossen.
Doch auch bei der Verleihung der Preise schien nicht alles glatt gelaufen zu sein: Thomas Virsow und Ulrich Jung von der Produktionsfirma XXX-Project beschuldigten das Label Man’s Art, sich bei der Preisverleihung in den Vordergrund gespielt und "die gesamte Organisation der Veranstaltung an sich gerissen" zu haben. Das Studio erhielt insgesamt vier Preise, darunter "Bestes europäisches Studio" und "Bester Fetisch-Film". Welche Jury die Sieger gewählt hatte, blieb bis zum Schluß ein Geheimnis der Veranstalter.
XXX-Project erklärte, dass das eigene Label auch nur den Preis als besten Darsteller erhielt, weil es das Ereignis gesponsert hatte. "Unser Darsteller hat in einer Szene gespielt und wird im Übrigen nie wieder spielen, hingegen hat Thomas Dyk von Eurocreme, der auch nominiert war, in fast 20 Filmen agiert." Auf der Preisverleihung haben die Produzenten von XXX-Project eigenen Angaben zufolge diesen Sachverhalt erklären wollen, "bis uns das Mikro entwendet wurde". Auch sie gaben den Preis wieder zurück.
Die Veranstalter, die Mediatainment Publishing Verlagsgesellschaft aus einem kleinen niedersächsischen Ort, war noch zu keiner Stellungnahme bereit.