Florenz: Kunst und Homosexualität

Eine Ausstellung über homosexuelle Kunst provoziert derzeit in Italien die Gemüter. In Mailand musste eine Ausstellung mit Werken, die sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe befassen, geschlossen werden. Für die konservative Bürgermeisterin waren einige Exponate blasphemisch. Jetzt wird die Schau „Kunst und Homosexualität“ in Florenz gezeigt. Obwohl sie bereits zensuriert ist, will die Aufregung um die Schau mit dem Titel „Arte e Omosessualità“ nicht enden.

Der wahre Aufreger ist hinter einem weißen Vorhang versteckt. Die Skulptur „Miss Kitty“ des Künstlers Paulo Schmidlin zeigt einen Transvestiten in Unterhosen, dessen Gesicht seht an Joseph Ratzinger erinnert. Diese Ähnlichkeit hat die Mailänder Moralhüter auf den Plan gerufen, und deshalb ist auch der Ausstellungsort in Florenz eher unspektakulär: Eine Nebenhalle des Bahnhofes.

Dennoch wird bei der Ausstellungseröffnung auch ein Sieg gefeiert. Der linke Politiker und Homosexuellenaktivist Franco Grillini erklärt: „Jede Form der Zensur – und das was in Mailand passiert ist, war Zensur – ist eine Niederlage für die gesamte Demokratie. Da die Schau aber doch gezeigt werden kann, wurden letztlich Ignoranz, Homophobie und vor allem die Unkultur besiegt. Die Kunst muss frei sein, wenn sie das nicht ist, existiert sie nicht mehr!“

Insgesamt 150 homoerotische Werke sind in Florenz ausgestellt. Zentrale Inspiration der homoerotischen Kunst sind die Aktfotos von Wilhelm von Gloeden aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts. Seine an die Antike erinnernden Posen finden sich Jahrzehnte später in den Modefotos von Bruce Webber und Herb Ritts wieder.

Zu sehen bekommt man außerdem einen sich selbst küssenden Mick Jagger von Andy Warhol. Bei John Kirby küssen sich zwei Männer unter einem Kreuz. Erlaubt ist alles außer Blasphemie, wie Kurator Eugenio Viola betont: „Die gezeigten Werke haben natürlich nichts mit Gotteslästerung zu tun. Wir sind in Florenz, der Stadt Dantes und dieser hat schließlich den Papst sogar in die Hölle geschickt!“

Allerdings hat der linksliberale Bürgermeister von Florenz die eine Schirmherrschaft über die Ausstellung dankend abgelehnt. Was ihm Kritik von Seiten der Ausstellungsbesucher einbringt. Das Problem sei, dass die katholische Kirche in Italien Politik mache und viele Politiker klein beigeben würden, erklärt ein Besucher.

Viel Lärm um Nichts, meinen auch Kunstexperten. Nüchtern betrachtet kann die Schau wohl erst am nächsten Ausstellungsort werden, denn in London können nackte Männer – selbst wenn sie die Gesichtszüge des Papstes tragen – wohl kaum einen Skandal provozieren.