Wien: Schwule und lesbische Pflegeeltern gesucht

Im letzten Herbst hat das Wiener Jugendamt (MAG ELF) auch Lesben und Schwule als Pflegeeltern gesucht – jetzt geht die Kampagne in die nächste Runde. Denn noch immer finden sich in der Bundeshauptstadt zu wenig Pflegeeltern, bedauerte Daniela Attwood von der MAG ELF. ?Dass letztes Jahr nicht nur klassische heterosexuelle Paare als Zielgruppe für Pflegeeltern angesprochen wurden, sondern auch Alleinerzieher und gleichgeschlechtliche Paare, hat Teile der Kirche und die FPÖ empört.

Ab Anfang November werden nun auf den Infoscreens der U-Bahn, in Straßenbahnen und via Inserat wieder die bekannten Sujets aufscheinen. Neu hinzu kommt ein Kind mit Behinderung, das neben dem bekannten Brokkoli und der Frage „Bringen Sie das zusammen?“ steht. Wer gerne ein Pflegekind bei sich aufnehmen möchte, wird vom Jugendamt genau gecheckt: Das Motiv des Bewerbers, seine Finanzlage, die Wohnsituation – das wird alles genau geprüft, bis zu einem halben Jahr lang. In diesem Rahmen erfolgen auch Schulungen, zumal die Kinder oft besonderer Zuwendung bedürften. Pflegeeltern müssen sich immer im Klaren sein, dass ihr Schützling in seine leibliche Familie zurückkehren kann, wenn sich die dortigen Verhältnisse gebessert haben. Rund 80 Prozent verbleiben allerdings bis zur Volljährigkeit in ihren Pflegefamilien.?Trotz aller Erfolge benötige man in Wien immer noch 700 zusätzliche Plätze für Pflegekinder, so Attwood. So befanden sich Anfang 2007 von 1.162 Wiener Pflegekindern nur 454 in 355 Wiener Pflegefamilien, während die restlichen 708 in anderen Bundesländern untergebracht waren. Im vergangenen Jahr wurden mit 103 Kindern um vier Prozent mehr vermittelt als davor. Mehr als die Hälfte der Kinder war dabei älter als 19 Monate, ein knappes Drittel sechs Monate oder jünger.