Nigeria: Steinigung für Schwule?

Nach monatelangen Verzögerungen sollen am 24. März in Nigeria 18 mutmaßliche Schwule im Alter von 18 bis 21 Jahren wegen ihrer angeblichen sexuellen Orientierung vor Gericht gestellt werden. Die Verhandlung wird nach dem islamischen Recht, der Scharia, abgehalten. Wie die Gay and Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) meldet, ist das Verfahren Teil einer Kampagne, härter gegen Schwule und Lesben vorzugehen.

Die Männer sollen angeblich an einer Schwulenhochzeit teilgenommen haben, was die Angeklagten bestreiten: Sie haben lediglich eine Geburtstags- und Schulabschlussfeier abgehalten. Nach 19 Tagen Untersuchungshaft wurden sie gegen Kaution wieder freigelassen.

Zunächst wollte die Staatsanwaltschaft sie wegen Homosexualität anklagen. Darauf steht laut Scharia die Todesstrafe durch Steinigung. Jetzt wurde die Anklage reduziert auf Verschwörung, Mitgliedschaft in einem ungesetzlichen Verein, Erregung öffentlichen Ärgernisses und „Landstreicherei“, weil sie angeblich in Frauenkleidern angetroffen wurden. Darauf stehen bis zu 10 Jahre Haft und 100 Peitschenhiebe. Nach Angaben der IGLHRC kann jederzeit der Vorwurf der Homosexualität wieder in den Prozess aufgenommen werden.

Letztes Jahr wollte Nigeria ein repressives Gesetz gegen Homosexualität verabschieden, das sogar einen gemeinsamen Restaurant-Besuch von zwei Schwulen verbietet. Das Gesetz löste weltweite Proteste aus. Über das Gesetz, das sowohl von islamischen Gruppen als auch von der Anglikanischen Kirche des Landes unterstützt wurde, ist noch nicht abgestimmt worden.