Großbritannien: AIDS-Skandal bei Schwulenpornos

Nach Recherchen der BBC-Sendung „Newsnight“ hat ein Pornolabel drei Bareback-DVDs vom Markt genommen. Zwei der DVDs zeigen Material, das während einer Woche aufgenommen wurde und acht britische Models zeigt, die untereinander Sex ohne Kondome haben. Kurz danach wurden vier von ihnen positiv auf HIV getestet. Einer der Darsteller sagte der BBC, er sei erschüttert, dass die Szenen, die zeigen, wie er mit dem HI-Virus angesteckt wird, auf dem Markt gelandet sind.

Bevor die BBC ihre Recherchen veröffentlichte, hat sich das amerikanische Label „Puppy Productions“ geweigert, die DVDs vom Markt zu nehmen. Jetzt will auch der führende britische Bareback-Produzent, Icreme, nach Angaben der BBC nur mehr Safer-Sex-Filme produzieren, in denen die Darsteller Kondome verwenden. Die Nachfrage und Produktion von Bareback-Filmen ist in den letzten vier Jahren explodiert. Mittlerweile machen sie in Großbritannien 60% des Marktes aus.

Dass Bareback-Filme und damit auch Bareback-Sex immer beliebter werden, ärgert vor allem diejenigen, die in den 1980er und 1990er die AIDS-Krise selbst mitgemacht und viele Freunde verloren haben. Der führende amerikanische Porno-Regisseur, Chi Chi La Rue tritt öffentlich gegen Bareback-Filme auf: „Nach allem, was die schwule Community mitgemacht hat – warum setzen wir die Leute bei Pornodrehs diesem Risiko aus?“, fragt er in einer neuen Kampagne, die Konsumenten zum Boykott von Bareback-Filmen aufrufen soll.

In Großbritannien führt Regisseur Steve Brewer die Anti-Bareback-Kampagne an. Er lädt Produzenten und Darsteller ein, einen neuen Leitfaden für die Pornoindustrie zu verfassen, um die Risiken in der Branche zu minimieren. „Ich will nicht, dass sich wieder ein 18-jähriger Darsteller an meiner Schulter ausheult, weil er nicht weiß, wie er seinem Partner oder seinen Eltern sagen soll, dass er jetzt HIV-positiv ist.“, sagt Brewer.