70 Jahre „Anschluss“: „An die Verfolgung Homosexueller erinnern“

Zur Ideologie der Nazis gehörte auch die Ausmerzung der Homosexualität. Rund 10.000 bis 15.000 Homosexuelle wurden in Konzentrationslagern gefangengehalten, wo sie durch einen rosa Winkel auf ihrer Häftlingskleidung auch als eigene Gruppe gekennzeichnet wurden. Man schätzt, dass 60 Prozent der Rosa-Winkel-Häftlinge ihre KZ-Haft nicht überlebten. Rund zehn Prozent der Häftlinge stammte aus der damaligen „Ostmark“.

Homosexuelle wurden auch Opfer medizinischer Versuche, nicht zuletzt um sie zu „heilen“. Der dänische SS-Arzt Carl Værnet implantierte im KZ Buchenwald Häftlingen eine von ihm entwickelte „künstliche Drüse“. Diese sollte durch kontinuierliche Abgabe männlicher Hormone an den Organismus die homosexuellen Häftlinge zur Heterosexualität „umstimmen“. Bei Kriegsende wurde Værnet zwar sofort verhaftet, aber später gelang es ihm, sich nach Argentinien abzusetzen, wo er bis zu seinem Tod 1965 unbehelligt leben konnte.

„Wir finden es sehr schade, dass sich die Errichtung des am Wiener Morzinplatz geplanten Mahnmals für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus verzögert“, erklärt HOSI-Wien-Obmann Christian Högl. „Gerade das heurige Gedenkjahr anlässlich des Anschlusses Österreichs an Hitlerdeutschland vor 70 Jahren wäre ein perfekter Anlass gewesen, das Mahnmal zu verwirklichen. Wir appellieren daher an die zuständigen Stellen der Stadt Wien, für eine rasche Umsetzung des Projekts zu sorgen.“