München: Aids-Hilfe will kein Geld von Pharmariesen

Die Münchner Aids-Hilfe (MüAH) hat sich geweigert, ein Angebot des Pharmariesen Abbott zur Unterstützung anzunehmen. Abbott wollte sich an einem über Werbeflächen finanzierten Auto für das „Café Regenbogen“ beteiligen. Ein Angebot, das nach „reiflicher Überlegung“ abgelehnt wurde – und mit guten Gründen, wie Michael Tappe, fachlicher Leiter der MüAH meint. Er schreibt in einem Brief an Abbott, dass der Verein kein Geld von jemandem annehmen möchte, der „Betroffenen in anderen, ärmeren Ländern lebenswichtige Medikamente vorenthält.“

Hintergrund für die ungewöhnliche Entscheidung ist die Situation in Thailand. Hier hatte die Regierung eine Zwangslizenz für das Aids-Medikament Lopinavir/Ritonavir erlassen und so den Patentschutz umgangen. Durch diese Maßnahme konnten die Behandlungskosten pro Jahr und Patient von 2.800 auf 695 US-Dollar reduziert werden, was für ärmere Menschen dort eine zumindest gesteigerte Chance auf eine Therapie bedeutet. Die Firma Abbott, die durch die Patentverletzung Umsatzeinbußen befürchtet, reagierte mit der Drohung, in Thailand keine neuen Medikamente mehr zur Zulassung anzumelden und zu vermarkten. Eines dieser Medikamente, die in anderen Ländern längst auf dem Markt sind, ist die neue hitzebeständige Variante des Protease-Hemmers Lopinavir/Ritonavir. Damit werden die Menschen in Thailand von neueren medizinischen Errungenschaften praktisch ausgeschlossen.

Die Münchner Aids-Hilfe erklärt sich deshalb mit den Betroffenen in Thailand solidarisch und schließt sich der Forderung von „Ärzte ohne Grenzen“ an, Abbott soll unverzüglich wieder neue Medikamente in Thailand registrieren. Solange die aktuelle Vertriebspolitik weiterverfolgt werde, könne man „der Firma nicht durch Werbeflächen zu einem guten Image in Deutschland verhelfen“, auch wenn dadurch finanzielle Unterstützung für die eigenen Anliegen verloren gehe, heißt es seitens der MüAH.