„Schwuler Maibaum“ in München: Symbol der Vielfalt

Der „schwule Maibaum“ in München nimmt langsam Formen an. Im Münchner Schwulen-Kommunikations- und Kulturzentrum (Sub) wurden die Entwürfe des Künstlers Robert C. Rore vorgestellt. Er gestaltet die ersten Tafeln des zwölf-Meter-Stangerls.

Von den Veranstaltern wird das neue Wahrzeichen bewusst „Integrationsmaibaum“ genannt. Ein „schwuler Maibaum“ wäre politisch schwierig durchzusetzen gewesen, glaubt Sub-Vorstand Uwe Hagenberg. Auch im traditionell schwulsten und tolerantesten Viertel Münchens spüre man, wo die Normalität homosexuellen Lebens schnell an ihre Grenzen stoße, so Hagenberg.

Die Künstler Robert C. Rore und Michael Borio, die die Tafeln am Maibaum gestalten, berichteten von Ablehnung und Skepsis im Bezirksparlament. „Ich habe mich in die achtziger Jahre zurückversetzt gefühlt“, sagte Rore. Es seien Befürchtungen, die Schwulen würden nun das Viertel übernehmen, geäußert worden. Auch die dem Nazi-Jargon entstammende Bemerkung „entartete Kunst“ sei gefallen, erinnert sich der Künstler.

Bei den Motiven der Bildtafeln geht Rore, geboren im Berchtesgadener Land, eigene Wege: Wo traditionell die örtlichen Zünfte und Handwerksberufe dargestellt werden, zeigt Rore in leuchtenden Farben Flagge – für Homosexualität ebenso wie für kulturelle Vielfalt. Am weißblauen Stamm treffen sich die Lippen zweier Frauen- und zweier Männerköpfe zum Kuss. Darunter haben sich ein muskulöses schwules Pärchen mit viel Haut, wenig Tracht und großer Regenbogen-Flagge, sowie ein lesbisches Paar mit Bayern-Fahne niedergelassen.

Dass sich bei den jungen Frauen Dirndl und modische Kleidung harmonisch zusammen fügen, ist ebenso wenig ein Zufall wie die Tatsache, dass einer der Küssenden von schwarzer Hautfarbe ist. „Der Glockenbachmaibaum zeigt, was das Viertel ausmacht”, sagt Hagenberg. Er hofft, dass der Baum zum Symbol für die Gemeinschaft und das Zusammenleben der Menschen wird – „unabhängig von Hautfarbe, Religion, Einkommen und sexueller Orientierung.”

Das Sub hat die Maibaum-Idee mit finanzieller Hilfe der Community im Viertel verwirklicht. Am 1. Mai von 11 bis 19 Uhr ist die Bevölkerung zum Maifest unter dem neuen Wahrzeichen des Viertels eingeladen.