Homo-Mobbing: Wiener Linien sehen keine Schuld

Im Fall des Straßenbahnfahrers, den die Wiener Linien wegen Dienstunfähigkeit gekündigt haben, nachdem er wegen seiner Homosexualität am Arbeitsplatz jahrelang gemobbt wurde, sieht das Unternehmen bei sich keine Schuld oder Versäumnisse.

„Unserer Meinung nach liegt aufseiten des Arbeitgebers keine Unterlassung der Sorgfaltspflicht vor. Wir werden daher in Berufung gehen“, so Unternehmenssprecher Johann Ehrengruber.

Nach Meinung der Wiener Linien habe sich der Mann Konflikte mit der Kollegenschaft aufgrund seiner „egomanischen Persönlichkeit“ selbst zuzuschreiben. Der 37-Jährige soll Kollegen beschimpft und vermeintliche Mobbing-Aktivitäten anderer dazu benützt haben, um selbst höhere Dienste erlangen zu können, die ihm aufgrund seiner Ausbildung und Fachkenntnisse verwehrt waren.

Schockiert über den Fall zeigen sich unterdessen die Wiener Grünen: „Dieser Fall zeigt, dass das Wiener Antidiskriminierungsgesetz noch keinesfalls gelebte Realität in den Unternehmungen der Stadt Wien ist“, kommentiert Grün-Gemeinderat Marco Schreuder das Urteil. Er fordert Sofortmaßnahmen: „Die Wiener Linien wären gut beraten, wenn sie sich modernes Diversity-Management aneignen würden und Antidiskriminierung nicht nur als Lippenbekenntnis, sondern auch als Firmenphilosophie leben.“

Gemeinderätin Ingrid Puller, selbst Straßenbahnfahrerin bei den Wiener Linien, fordert zudem eine Mobbing- und Antidiskriminierungsstelle bei den Wiener Linien: „Mobbing, Demütigungen und Diskriminierungen aufgrund der ethnischen Herkunft, der sexuellen Orientierung, der Religion oder anderen Gründen sind leider keine Seltenheit. Es ist dringend an der Zeit, dass die Wiener Linien in solchen Fällen aktiv helfen, anstatt wegzuschauen oder – wie im konkreten Fall – das Opfer zu kündigen“, so Puller.