München: Schwuler Maibaum gestohlen

Das Aufstellen eines Maibaums ist eine alte Tradition in den deutschsprachigen Alpenländern. Deshalb gibt es in München heuer auch erstmals einen „schwulen” Maibaum im Glockenbachviertel, der schwulen Meile der Stadt. Aufgestellt wird der Baum vom Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum „Sub”. Mindestens ebenso alt ist die Tradition, den Maibaum zu stehlen. Und genau das ist dem Burschenverein Ismaning gelungen.

Nun wird das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum „Sub” den Zwölf-Meter-Baum mit viel Bier und Brotzeit auslösen müssen. So verlangt es die bayerische Tradition.

Ursprünglich war die CSU hinter dem Maibaum her. Genau das hat die Ismaninger Buschen angestachelt. Schließlich haben sie einen Ruf als gefürchtete Maibaum-Diebe zu verteidigen. Seit drei Wochen ließen Späher die Werkstatt von Künstler Robert C. Rore, wo der Maibaum gelagert wurde, nicht mehr aus den Augen. Am Dienstag Abend war es soweit, wie Vereins-Vorsitzender Gregor Mülbel dem „Münchner Merkur“ stolz berichtet: Der Späher gab Alarm, und im Nu waren ein Dutzend Burschen mit Lieferwagen und Anhänger unterwegs.

„Ich hatte in Absprache mit dem Sub den Baum in den Hof gebracht, weil er in der Werkstatt sehr im Weg war”, berichtet Rore. Den Baum glaubte er gut aufgehoben: „Ich höre normalerweise alles, was im Hof vor sich geht. Aber als ich nach 20 Minuten raus kam, war das Ding weg.” Die Ismaninger Burschen hatten unter einem Vorwand eine Hausbewohnerin dazu gebracht, das Tor zu öffnen. Im Schutz der Dunkelheit trugen sie ihre Beute geräuschlos weg.

Rore, geboren im Berchtesgadener Land, nimmt seine Niederlage sportlich: „Des hams guat g‘macht”, sagte er gestern auf Anfrage. „Hund sans scho!” Auch Sub-Vorstand Uwe Hagenberg sieht in der Sache „eher eine Gaudi”. Hagenberg freut sich nun auf den 1. Mai, wenn die Diebe ihre Beute zurückbringen und auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz die Verhandlungen über Freibier und Brotzeit beginnen. Und noch etwas Gutes habe der Diebstahl, meint er und lacht: „Mit der Frage, wie wir den Maibaum zum Platz bringen, müssen sich nun andere beschäftigen.”