Griechenland: Tauziehen um erste Homo-Ehe

Die ersten Ehen gleichgeschlechtlicher Paare in Griechenland sorgen in dem Mittelmeerland für Aufregung: Gegen den Willen der orthodoxen Kirche, des Justizministers und des Staatsanwalts von Athen hat der Bürgermeister der kleinen Dodekanes-Insel Tilos, Anastasios Aliferis, am Dienstag zwei Männer und zwei Frauen standesamtlich getraut. Die Zeremonien fanden aus Angst vor Reaktionen von religiösen Fanatikern um 7.00 Uhr morgens statt.

„Was auf Tilos stattgefunden hat ist illegal und ungültig. Trauungen dieser Art sind nicht vorgesehen“, sagte der griechische Justizminister Sotirios Chatzigakis wenige Stunden nach den Trauungen.

Die Beteiligten sehen das anders: „Wir haben einen großen Schritt in die Richtung der Gleichberechtigung und der Menschenrechte gemacht“, sagte Evangelia Vlami, eine der zwei Frauen, die auf Tilos heirateten.

In Griechenland wird jetzt mit einem langen juristischen Tauziehen gerechnet. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Anklage gegen den Bürgermeister von Tilos erhoben werden sollte.

Der Bürgermeister von Tilos, Anastasios Aliferis, sagte dem griechischen Radiosender Alpha: „Ich habe nur meine Pflicht als Mensch getan. Alle Menschen haben Anspruch auf Glück und zu definieren, wie sie und mit wem sie leben wollen.“ Aliferis gilt seit Jahren als einer der fortschrittlichsten Bürgermeister Griechenlands.

Der Verband der griechischen Lesben und Schwulen (OLKE) geht davon aus, dass der griechische Staat das Problem aufgrund des geltenden EU-Rechts zugunsten der Homosexuellen lösen muss. „Diskriminierungen darf es nicht mehr geben. Das Thema werden wir notfalls bis zur EU und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte tragen“, sagte ein Sprecher der OLKE.

Die orthodoxe Kirche hat gleichgeschlechtliche Ehen wiederholt als eine „Bombe in den Fundamenten der Gesellschaft“ bezeichnet. Abgesehen davon wird Homosexualität in der griechischen Gesellschaft weitgehend akzeptiert.