Brasilien: Erster nationaler Lesben- und Schwulenkongress

In Brasilien haben Lesben und Schwule erstmals auf einer nationalen Konferenz über Antidiskriminierung und mehr Bürgerrechte beraten. Gast beim Auftakt in Brasilia war der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Er forderte, „gegen Vorurteile zu kämpfen“. Er betonte, Lesben und Schwule leiden unter Vorurteilen, der „perversesten Sache, die existieren kann“. Lula lobte die „politische Reife“ der Homosexuellenbewegung und forderte die Teilnehmer der dreitägigen Konferenz auf, geeint Vorschläge für Gesetzesprojekte zu machen. Unter tosendem Beifall ließ er sich anschließend vor der Regenbogenflagge fotografieren.

Gesundheitsminister José Gomes Temporão kündigte ein neues Gesetz zur kostenlosen Geschlechtsanpassung in öffentlichen Kliniken an. Brasilien sei in diesem Frage weltweit Vorreiter, sagte er.

An der Konferenz nehmen rund 600 Delegierte aus allen Teilen Brasiliens teil. Sie kommen aus allen Teilen der Lesben-, Schwulen, Bisexuellen und Transgenderbewegung. Ziel des Kongresses ist nationaler Forderungskatalogs zur Stärkung der Rechte von Lesben, Schwulen und und allen anderen Menschen nicht-heterosexueller Orientierung. Im Jahr 2004 rief die Regierung Lulas das Programm „Brasilien ohne Homophobie“ ins Leben, das zum Aufbau eines Netzes von landesweit bislang 44 Hilfszentren für Opfer von Diskriminierungen beitrug. Von 1963 bis 2007 wurden in Brasilien mehr als 2.800 Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung umgebracht.

Überschattet wurde das Treffen von dem Fall der Offiziere Fernando Alcántara und Laci Marinho de Araujo. Nachdem sich beide Soldaten im Wochenmagazin „Epoca“ als schwules Paar geoutet hatten, wurde Marinho von der Militärpolizei festgenommen. Offiziell wirft ihm die Armee Fahnenflucht vor.