Öffnet Norwegen Ehe für Lesben und Schwule?

Norwegen wird voraussichtlich das sechste Land der Erde sein, in dem Lesben und Schwule heiraten können. Das Parlament in Oslo stimmt am 11. Juni über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab.

Zwei der drei Koalitionspartner der Mitte-Links-Regierung sowie zwei Oppositionsparteien haben sich dafür ausgesprochen. Damit dürfte die Mehrheit sicher sein. In der dritten Regierungspartei, der ländlich orientierten Zentrumspartei, ist die Homo-Ehe umstritten. Ihre Abgeordneten unterliegen daher bei der Abstimmung keinem Fraktionszwang. Umfragen zufolge sind etwa zwei Drittel der Norweger für die Öffnung der Ehe.

Gegner der Ehe-Öffnung im norwegischen Parlament sind vor allem die konservative Fortschrittspartei und die Christdemokraten, die gemeinsam aber über etwa ein Viertel der Sitze im Parlament verfügen. Sie warnen davor, dass christliche Schulen ihre staatliche Förderung verlieren könnten, wenn sie lehrten, dass die Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau sei.

Das neue Ehegesetz würde Anfang 2009 in Kraft treten. Da Pfarrer in Norwegen auch die Funktion von Standesbeamten haben, sieht es vor, das sie nicht gezwungen werden können, gleichgeschlechtliche Paare zu vermählen.

Schwule und Lesben können in Norwegen bereits seit 15 Jahren Eingetragene Partnerschaften eingehen. Diese haben praktisch alle Rechte und Pflichten von Ehepartnern. Nur beim Adoptionsrecht werden gleichgeschlechtliche Paare noch benachteiligt. Die Ehe für Schwule und Lesben ist derzeit in den Niederlanden, Belgien, Spanien, Kanada und Südafrika möglich.