Berlin: Türkische Nationalisten greifen Lesben an

Gewalt gegen Lesben und Schwulen wird auch in Berlin immer häufiger: So wurden am Wochenende eine Gruppe Drag-Kings im Berliner Stadtteil Kreuzberg angegriffen.

Im SO 36, einem Club auf der Oranienstraße, hatte die queere Szene auf einer Party im Rahmen des »Drag Festival« gefeiert. Als die letzten Besucher gingen, wurde eine Gruppe von Gästen von mehreren Männern, die aus drei vorbeifahrenden Autos sprangen, zusammengeschlagen. Auf einem der Wagen klebte ein Aufkleber der faschistischen »Grauen Wölfe«, wie sich die Mitglieder der türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) bezeichnen. Diese haben direkt neben dem SO 36 einen Treffpunkt.

„Ich kam gegen sechs Uhr morgens aus dem SO 36“, erklärte eine der Angegriffenen gegenüber der Berliner Tageszeitung taz, „und sah, wie eine Gruppe großer, bulliger Türstehertypen aus ihren Autos stieg und auf meine Freunde einschlug.“ Als sie dazukam, sei sie von einem der Männer ins Gesicht geschlagen worden. Ihre Aufmachung als Drag Kings, Butches und Dykes habe die Angreifer provoziert, vermutet sie.

Den verletzten Frauen gehe es den Umständen entsprechend gut, erklärten die Veranstalter des Drag-Festivals. Eine der Betroffenen hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Die anderen würden sich auf Grund mangelnder Deutschkenntnisse vor dem Prozedere scheuen. Vor dem Angriff hat es schon eine verbale Auseinandersetzung mit den Frauen gegeben, danach sei es Augenzeugen zufolge zu den Handgreiflichkeiten gekommen.

Die Veranstalter des Drag-Festivals gehen zwar von keinem gezielten Überfall aus, denken jedoch laut über mögliche Gründe nach: Am Samstagabend hatte in Kreuzberg eine Demonstration gegen die drohende Schließung von Lambda-Istanbul stattgefunden – eines Vereins, der sich in der Türkei für Lesben, Schwule und Transsexuelle einsetzt. „Gewöhnt euch an die Transsexuellen!“ stand auf den Schildern, die die Demonstranten trugen. Die Demo habe die Atmosphäre im Kiez aufgeheizt und die Aggressivität sich später an den Besucherinnen des Drag-Festivals entladen, mutmaßen die Veranstalter. Sie sprechen von sich häufenden Überfällen auf Homosexuelle und Transsexuelle in der Gegend.

„Doch wir lassen uns die Straße nicht verbieten“, sagt Pia Thilmann. Sie hatte das Drag-Festival mitorganisiert und lud für Montagabend zu einer Spontandemonstration. Damit wolle man auf den Übergriff, aber auch auf das homophobe Klima in Kreuzberg aufmerksam machen.