Homo-Ehe bringt Kalifornien fast 700 Millionen Dollar

Dass schwule und lesbische Paare in Kalifornien heiraten können, könnte der Wirtschaft des amerikanischen Bundesstaates auf die Sprünge helfen: Mehr als 100.000 Hochzeitsfeiern werden für die kommenden drei Jahre erwartet, und da es sich bei Homo-Paaren um eine besonders kaufkräftige und komsumfreudige Zielgruppe handelt, wittern Tourismus und Gastronomie ein Millionengeschäft.

Experten der Universität Kalifornien haben errechnet, dass rund 51.000 Paare aus Kalifornien und 67.500 Paare aus anderen US-Staaten dem Beispiel von Olson und Tyler folgen werden. Für die Feiern würden sie über 683 Millionen Dollar (441 Mio. Euro) in Kaliforniens Konjunktur pumpen.

„Das wird wirtschaftliche Auswirkungen haben“, ist sich Jack Kyser, Chefökonom der Handelskammer von Los Angeles, sicher. „Es ist ein willkommener Boom für die Tourismusindustrie, die sich derzeit etwas Sorgen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage macht.“ Kyser schätzt, dass die Mehrheit der homosexuellen Paare zu den besonders kaufkräftigen „DINKs“ gehört, die englische Abkürzung steht für „doppelte Einkommen, keine Kinder“. Diese Paare haben also viel Geld übrig für üppige Hochzeitsfeiern.

Dem Staat Kalifornien kommt dabei zu gute, dass er in den USA eine Monopolstellung bei Homo-Ehen hat. Kalifornien ist nun nämlich der einzige Staat, der auch homosexuelle Paare aus anderen 49 US-Staaten traut.

Das Fremdenverkehrsamt von Los Angeles hat schon gleich nach dem Gerichtsurteil begonnen, heiratswillige Lesben und Schwule aus anderen Bundesstaaten anzulocken. „Die Buchungszahlen sind dadurch zweifellos gestiegen“, berichtet Hotelmanagerin Zoe Caratas vom Ramada-Plaza-Hotel in Los Angeles‘ Schwulenviertel West Hollywood. „Für diese Woche sind wir total ausgebucht, was eigentlich ungewöhnlich ist.“

Verfechter der Homo-Ehe hoffen, dass der Hochzeitstrubel in Kalifornien mit all seinen kommerziellen Aspekten Signalwirkung für den Rest der USA haben wird und Eheschließungen unter Schwulen und Lesben als etwas Alltägliches erscheinen lässt. Kalifornien war als größter US-Bundesstaat in der Vergangenheit oft Vorreiter in der Gesellschaftspolitik. Im vergangenen Jahrhundert etwa war es der erste Bundesstaat, der das Verbot von Ehen zwischen Weißen und Schwarzen aufhob.