Schweiz: „Schwulen-Klopfen ist wieder in“

Gewalt gegen Lesben und Schwule nimmt auch in der Schweiz wieder zu. Wie der „St. Galler Tagblatt“ berichtet, werden immer mehr Homosexuelle Opfer von Gewalttaten.

So wurde der 57-jährige Steivan Werro vor etwa drei Wochen auf einem Autobahnparkplatz von vier Jugendlichen mit Baseballschlägern zusammengeschlagen – am frühen Abend, als es noch taghell war. Sie umstellen und beschimpfen ihn. „Du schwule, fette Sau, dich machen wir tot“, sagt einer, bevor sie auf ihn eindreschen.

Wie durch ein Wunder überlebt Stevian Werro. „Diese aggressiven Blicke der Jungen werde ich nie vergessen – wie Bestien“, erinnert er sich. „Es gab keinen Streit, keine Provokation. Ich kenne die jungen Leute nicht.“ Er leidet bis heute: Länger als zehn Minuten kann er noch nicht schmerzfrei stehen.

Die Polizei hat die Täter ermittelt. Werro wurde zufällig ihr Opfer. Dennoch war die Tat geplant. Mögliches Motiv: ihre „Aversion gegen Homosexuelle“, denn der Rastplatz ist als Schwulen-Treffpunkt bekannt.

Und der Angriff ist in der Schweiz kein Einzelfall: „Wir beobachten eine zunehmende Homophobie“, sagt Johannes E. Schläpfer, Geschäftsleiter der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen St. Gallen. „Schwulen-Klopfen“ sei wieder in, so wie es das vor 20 oder 25 Jahren war. Schläpfer spricht von „einer neuen Welle“. Lesben und Schwule sind heute wieder häufiger verbalen oder körperlichen Attacken ausgesetzt.

Die Fachstelle hat auf diese Entwicklung reagiert. Seit Februar bietet sie Schulen ein neues Projekt „SchWule – Anders als andere?“ an. Eine Stunde setzen sich die Experten mit den Jugendlichen und dem Thema Schwulsein auseinander, erläuterten Fakten, erzählten ihre Lebensgeschichten, diskutierten mit ihnen – mit dem Ergebnis: „Nach der Stunde dachten einige Jugendliche anders über Schwule.“

Für Stevian Werro kommen diese Programme zu spät. Er ist überzeugt: „Die Schweiz hat ein Sicherheitsproblem. Der Staat hat die Jugendgewalt nicht im Griff. Die Eltern müssen in die Pflicht genommen, vielleicht sogar zu Erziehungskursen verpflichtet werden.“ Er selbst überlegt, die Täter zivilrechtlich zu klagen. „Exemplarisch“, sagt Werro, „es muss ihnen weh tun. Es ist reiner Zufall, dass ich noch lebe.“