Regenbogenflagge vor Berliner Polizei

In Berlin zeigt auch die Polizei Flagge: Vor dem Polizeipräsidium soll heuer während der Christopher-Street-Day-Woche erstmals die Regenbogenfahne wehen. Die Polizei will damit für mehr Vertrauen bei homosexuellen Opfern werben, die sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten.

Die Polizei will mit der Aktion in der Bundeshauptstadt ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen. Mit der Beflaggung greift die Berliner Polizei eine Anregung des Projekts Maneo auf, das in Berlin Initiator des Schwulen Überfalltelefons und der Opferhilfe ist. Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch unterstützt das Vorhaben: „Mit dem Hissen der Regenbogenfahne zeigt die Berliner Polizei ihre Bereitschaft, unterschiedliche Lebensweisen der Menschen in der Hauptstadt zu akzeptieren, ihnen ohne Vorurteile und Vorbehalte zu begegnen und das ihr Mögliche zu tun, um sie vor vorurteilsmotivierter Kriminalität zu schützen.“

Und das nicht ohne Grund: Denn der Schwerpunkt der Veranstaltungen des diesjährigen Christopher-Street-Days in Deutschland sind Straftaten gegen Lesben, Schwule und Transgender. Bei bundesweiten Online-Befragungen des Projekts Maneo hat ein Drittel der befragten schwulen Männer angegeben, in den letzten zwölf Monaten schwulenfeindlich beleidigt oder angegriffen worden zu sein. Auch lesbische Frauen werden Umfragen zufolge Opfer von Übergriffen.

Diese Erhebungen bestätigen die auch von der Polizei vermutete hohe Dunkelziffer. Denn viele Opfer zeigen die Verbrechen nicht an. Deshalb wirbt die Polizei zusammen mit den Interessenverbänden um Vertrauen, damit die Vorfälle angezeigt werden. Denn Anzeigen sind nach Angaben der Behörde die Voraussetzung für wirksame polizeiliche und gesellschaftliche Maßnahmen zur Verhinderung dieser Taten.

Seit 1992 gibt es deshalb bei der Berliner Polizei einen Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Seit 2006 gibt es auch die Funktion einer Ansprechpartnerin. Beide stehen Opfern von Gewalt auf Wunsch beratend zur Seite, bieten in Zusammenarbeit mit Einrichtungen von Lesben, Schwulen und Transgenden Veranstaltungen zum Umgang mit Gewalt und Aggression in der Öffentlichkeit an und beteiligen sich an gewaltpräventiven Kampagnen.