Sofia: Gewalt bei Paradenpremiere

Bei der ersten lesbischwulen Parade in der bulgarischen Hauptstadt Sofia hat die Polizei 60 Extremisten festgenommen. Sie waren auf die rund hundert Teilnehmer des Umzugs losgegangen.

Eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtet, unter den Festgenommenen sei auch der Chef der nationalistischen Partei Nationale Union, Bojan Rasate. Rasate hatte zum „offenen Widerstand“ gegen den Umzug aufgerufen. Die Organisatoren hatten mit Ausschreitungen gerechnet und im Vorfeld zwei Mal die Route geändert. Die rund hundert Teilnehmer der Parade wurden von einer etwa gleich großen Anzahl Polizisten eskortiert.

Die in Sofia Festgenommenen hätten versucht, die Veranstaltung zu stören, teilte das Innenministerium mit. Ein großes Polizeiaufgebot an der „Brücke der Verliebten“ am Kulturpalast trennte mehrere Dutzend Parade-Teilnehmer von ihren Gegnern aus nationalistischen Gruppen. Die Sicherheitskräfte verhinderten, dass sich die Kritiker dem Umzug durch die Innenstadt anschlossen. Aus Protest warfen Gegendemonstranten Knallkörper.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte zuvor vor Ausschreitungen in Sofia gewarnt. Zur Parade hatte die Schwulen- und Lesbenorganisation Gemini aufgerufen. Ihre Chefin, Aksinija Gentschewa, klagte kurz vor der Parade, sie habe Morddrohungen erhalten. Die christlich-orthodoxe Kirche sowie das Oberhaupt der bulgarischen Muslime hatten die Veranstaltung abgelehnt. Der Austragungsort wurde aus Gründen der Sicherheit und Moral gleich zwei Mal binnen 24 Stunden verlegt.

Regierungschef Sergej Stanischew sagte, er sei tolerant gegenüber Menschen, die in religiöser, sozialer oder anderer Hinsicht anders seien, doch die „Demonstration dieser Ausrichtungen“ gefalle ihm nicht.