Schwedische Studie auf den Spuren schwuler Zwillinge

Auf der Suche nach der Ursache für Homosexualität sind schwedische Forscher einen großen Schritt weiter. Ihre Schlussfolgerung: Es kommt nicht auf die Erziehung an und es ist auch keine genetische Frage, ob jemand lesbisch oder schwul wird.

Zu diesem Resultat kommen die Forscher durch die weltweit größte Studie an Zwillingen, für die britische und schwedische Forscher alle 40.000 in Schweden lebenden Zwillinge angeschrieben hatten. 7652 von ihnen erklärten sich bereit, die Fragebögen der Forscher auszufüllen. Die Ergebnisse der Studie haben die Forscher der Queen Mary Universität in London und des Karolinska Instituts in Stockholm jetzt veröffentlicht.

Erstes Ergebnis: Immerhin 35 Prozent der Unterschiede zwischen männlichen Homo- und Heterosexuellen sind genetisch bedingt. Bei Lesben erweist sich der erbliche Beitrag mit 18 Prozent als deutlich geringer. Eine Schlussfolgerung daraus wäre, dass äußere Einflüsse maßgeblich für eine gleichgeschlechtliche Orientierung wären. Doch wie die Unterschiede zwischen eineiigen Zwillingen zeigten, gehört die elterliche Erziehung gerade bei Männern gar nicht dazu: Es sind stattdessen ganz eigene, individuelle Erlebnisse, die entscheiden, ob ein Mann homo- oder heterosexuell wird. Unter den weiblichen Zwillingen dagegen ließ sich zumindest ein gewisser Einfluss der Erziehung festhalten: Die gemeinsame Erziehung trägt vermutlich zu 16 Prozent dazu bei, ob Frauen später Frauen lieben.

Zwillinge haben sich in dieser Studie einmal mehr als besonders wertvolle Probanden für die Forschung erwiesen. Eineiige Zwillinge haben dasselbe Erbgut, zweieiige Zwillinge dagegen stammen aus zwei verschiedenen befruchteten Eizellen. Durch den Vergleich beider Gruppen ist es möglich festzustellen, welchen Einfluss die Gene und welchen die Umwelt haben. Auch die Forscher aus London und Stockholm verglichen die Angaben ihrer eineiigen und zweieiigen Zwillinge und konnten so errechnen, welchen prozentualen Anteil das Erbgut, gemeinsame Erfahrungen und individuelle Erlebnisse an der Wahl der Sexualität hatte. Wäre Homosexualität genetisch festgelegt, hätten alle eineiigen Zwillingsgeschwister entsprechend schwul, lesbisch oder heterosexuell sein müssen.

“Die Studie beendet die Überlegungen, nach denen wir nach einem ‚Homo-Gen‘ suchen oder einer einzigen Variable“ fasst Qazi Rahman zusammen, Co-Autor der Studie und führender Wissenschafter auf dem Gebiet der sexuellen Orientierung. Die Faktoren, die die sexuelle Orientierung steuern, seien sehr komplex. „Aber wir sprechen hier nicht nur über Homosexualität. Auch Heterosexualität wird von einem Mix aus Genetik und Umweltfaktoren beeinflusst.“