Amsterdam Canal Pride: Regierung fährt mit

Die niederländische Regierung nimmt am Amsterdamer Canal Pride am Samstag mit einem eigenen Boot teil. Organisiert wurde das Boot von Minister Ronald Plasterk, der im Kabinett für Lesben- und Schwulenfragen zuständig ist. Mit ihm zusammen ist Innenministerin Guusje ter Horst am Boot. Das ist der erste Mal, dass Regierungsmitglieder an der Amsterdamer Parade teilnehmen. Zum ersten Mal gibt es auch ein eigenes Boot der Polizei.

„Wir sind froh, dass sich die Politiker in Holland dieses Jahr der Notwendigkeit, sich auf die soziale Akzeptanz der Homosexualität zu konzentrieren, bewusster sind als noch vor einigen Jahren“, erklärt ProGay-Vorsitzender Frank van Dalen. „Die Amsterdam Gay Pride ist eine Veranstaltung mit einem substantiellen Touch. Es ist wichtig, Homosexualität sichtbar zu machen, denn das, was sichtbar ist, lässt sich nicht verleugnen.“

Etwa 80 Boote fahren während der Parade durch die Prinsengracht. Die maximale Teilnehmeranzahl für die Bootparade wurde schon über einen Monat vor der Veranstaltung erreicht. Flankiert wird die Canal Pride durch Straßenfeste in der gesamten Innenstadt. So treten nationale und internationale DJs und Künstler auf Freiluftbühnen in der Reguliersdwarsstraat, auf dem Westermarkt und dem Amstelveld auf. Auf der Amstelstraat und der Paardenstraat steigt ein Straßenfest für Lesben. Die niederländische Bärenband Bearforce1 tritt an der Amstel auf. Spezielle Ausstellungen runden das Programm ab. Das Historische Museum Amsterdam hat eine spezielle Führung über die königliche Familie der Niederlande organisiert. Der Zoo Artis bietet eine Führung zur Homosexualität im Reich der Tiere an. Zwei Kinos zeigen verschiedene Schwulen- und Lesbenfilme.

Van Dalen ist auch über ein christliches Boot erfreut, das heuer zum ersten Mal teilnimmt: „Bis heute glauben orthodoxe Christen an zwei getrennte Welten; ganz so, als gehörte die Homosexualität nicht zu ihrer eigenen geschlossenen Gesellschaft. Dieses Boot beweist, dass das nicht stimmt.“ An diesem Tag finden mehrere spezielle Gottesdienste statt, einer davon in einer Synagoge.

Die Parade ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Amsterdam: Hauptsponsoren sind heuer ING, die zweitgrößte börsennotierte Bank Europas, und TNT, eines der größten Logistikunternehmen der Welt. Damit unterstützen zum ersten Mal internationale Großkonzerne die Veranstaltung, was die starke Bedeutung der Amsterdam Gay Pride unterstreicht.