Anglikaner: Geistliches Oberhaupt verteidigt Homosexuelle

Der Streit um das Thema Homosexualität in der Anglikanischen Kirche geht in eine neue Runde. Diesmal haben die liberalen Kirchen in England und den USA unerwarteten Rückenwind von Rowan Williams, dem heutigen Erzbischof von Canterbury und damit dem geistlichen Oberhaupt der Anglikaner, bekommen.

Er hat kurz vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Canterbury in Briefen homosexuelle Beziehungen verteidigt und sie sogar mit der Ehe verglichen. Solche Beziehungen würden genauso wie Ehen die Liebe Gottes widerspiegeln, solange sie von Dauer seien, zitiert die Tageszeitung „The Times“ am Donnerstag aus den privaten Briefen Williams‘ an eine Psychiaterin in seiner früheren Erzdiözese in Südwales.

Aus seiner Sicht verurteile die Bibel sexuelle Freizügigkeit als Sünde, nicht aber Menschen, die von Natur aus homosexuell seien, berichtet die „Times“ weiter. Das Verbot richte sich damit vielmehr an Heterosexuelle, die nach sexueller Abwechslung suchten. Auf die Äußerungen aus den Jahren 2000 und 2001 angesprochen, verwies der erzbischöfliche Lambeth Palace auf ein Interview, in dem der Williams kürzlich sagte: „Wenn ich als Bischof unterrichte, lehre ich das, was die Kirche lehrt. In umstrittenen Fragen muss ich lehren, was die Kirche sagt.“

Bis vor wenigen Tagen hatten Anglikanische Bischöfe aus aller Welt in wochenlangen Beratungen vergeblich versucht, die Spaltung ihrer Kirche beim Streitthema Homosexualität zu überwinden. Bei der sogenannten Lambeth-Konferenz konnten sie sich nicht auf ein Grundsatzdokument einigen, das gemeinsame Positionen der Kirche zu schwulen Geistlichen, gleichgeschlechtlichen Paaren sowie zu Frauen in Bischofsämtern enthält.