Berlin: Anschlag auf Homo-Mahnmal

Ein feiger Anschlag erschüttert derzeit die Berliner Szene: In der deutschen Hauptstadt wurde erst Ende Mai eingeweihte Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in der Nacht zu Samstag demoliert: Die Unbekannten zerschlugen an der Betonstele ein Sichtfenster, durch das eine Kuss-Szene zweier Männer zu sehen ist.

Nach Informationen der Polizei bemerkte ein Passant am nächsten Morgen einen umgeworfenen Bauzaun und das zerschlagene Fenster. Täter und Hintergründe der Tat sind laut Polizeiangaben unklar, eine rechtsradikale Tat kann nicht ausgeschlossen werden. Das Denkmal erinnert an die etwa 100.000 von den Nationalsozialisten verfolgten schwulen Männer, von denen 50.000 nach Paragraph 175 verurteilt und zwischen 5.000 und 15.000 in Konzentrationslager deportiert wurden.

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) bezeichnete die Tat als „widerlich und empörend“. Der Verband geht davon aus, dass der Anschlag gezielt gegen Schwule und Lesben gerichtet war. „Der Anschlag macht drastisch deutlich, wie notwendig dieses Denkmal ist.“ Sprecher Günter Dworek sagte der Deutschen „Bild“-Zeitung: „Die im Denkmal gezeigte Kuss-Szene trifft offenbar ins Schwarze. Auch in einer demokratischen Gesellschaft gibt es Menschen, die es nicht ertragen können, wenn sich zwei Männer im öffentlichen Raum küssen.“

Die Beschädigung des Denkmals sei eine „feige Tat“ und „Ausdruck von Menschenverachtung“, sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck. „Wer das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus angreift, will das Wiederaufleben der kollektiven Menschenfeindlichkeit der Nazis wieder denkbar machen.“, so Beck.