Molterer relativiert kirchenkritische Aussagen

Eigentlich hatte niemand Vizekanzler Wilhelm Molterer diesen Mut zugetraut. In einer ORF-Diskussionsrunde zur Nationalratswahl sagte Molterer, dass die Eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare komme. Dass für die römisch-katholische Kirche Homosexualität noch immer eine Krankheit sei, entspräche dabei den Ansichten des 19. Jahrhunderts. Auf Nachfrage meinte Molterer dann: „Na entschuldigen Sie, ist das ein Maßstab für mich?“

Jetzt macht Molterer einen Rückzieher. Nachdem konservative Kirchenkreise heftige Kritik an den Aussagen des ÖVP-Obmanns geübt haben, kommen nun versöhnlichere Töne Molterers in diese Richtung: Über seinen Pressesprecher Jürgen Beilein teilte Molterer dem fundamenalkonservativen nicht-offiziellen Webportal „kath.net“ mit, dass die Aussagen in keiner Weise so zu verstehen seien, „dass damit die Glaubenslehre der katholischen Kirche und ihre Werte relativiert werden sollten“. „Das wäre diametral auch zum Selbstverständnis eines christlich-sozialen Politikers, welches der Herr Vizekanzler und andere Vertreter der Volkspartei nicht nur in Worten, sondern in diversen konkreten Handlungen immer wieder zum Ausdruck bringen.“, so Beilein.

Dann relativiert der Pressesprecher die deutlichen Aussagen seines Chefs: „Ich darf daher um Nachsicht bitten, wenn die Aussagen bei dem ein oder anderen Zuhörer einen vielleicht missverständlichen Eindruck erweckt haben. Keinesfalls soll die Aussage dazu Anlass geben, zu meinen, dass seitens des Herrn Vizekanzlers die katholische Kirche, ihre Amtsträger und ihre Werte relativiert werden sollten“, wirbt Beilein wieder im die Gunst der Kirchentreuen, um sie dann auch noch besonders zu loben: „Ich möchte Ihnen für Ihr Engagement als katholische Informationsplattform, das durchaus auch Salz sein soll, das bisweilen brennt, danken“.

Um die ÖVP-Wertewelt wieder endgültig ins rechte Licht zu rücken, will sich Molterer nach Informationen von kath.net auch mit dem konservativen Weihbischof Andreas Laun treffen. Was die mutigen Aussagen des Vizekanzlers bei der Fernsehdiskussion relativiert. Und eine offene Einstellung der ÖVP gegenüber Lesben und Schwulen nach der Wahl sehr unwahrscheinlich macht.

Links zum Thema

  • GGG.at: Schwerpunkt zur Nationalratswahl 2008