SPÖ: „Parade-Schwule“ oder „Teile einer Gemeinschaft“?

Unterschiedliche Auffassungen gibt es derzeit unter den Lesben und Schwulen in der SPÖ über ihre Rolle innerhalb der Partei.

Das zeigt sich zum Beispiel an der Vorzugsstimmenkampagne von HOSI-Wien-Obmann Christian Högl. Högl, seit wenigen Jahren SPÖ-Mitglied, bekam bei der Nationalratswahl 154 Vorzugsstimmen. Das reichte erwartungsgemäß nicht für einen Sitz im Parlament, aber „wenn es das Ziel war, der Parade-Schwule der SPÖ zu werden, ist das Ziel erreicht“, gibt sich Högl der Austria Presse Agentur gegenüber zufrieden.

Im direkten Vergleich dazu haben die Mitglieder der Initiative „Sozialdemokratie und Homosexualität“ (SoHo) als offizielle Vertretung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen schlechter abgeschnitten. Sie bekamen zwischen zehn und zwanzig Vorzugsstimmen.

Allerdings haben sie es auch nicht darauf angelegt, Vorzugsstimmen zu bekommen. SoHo-Vorsitzender Peter Traschkowitsch erklärt gegenüber GGG.at: „Erfahrungsgemäß ist ein offensiver Vorzugsstimmenwahlkampf nicht sonderlich ertragreich (27.000 Stimmen hat bisher erst Josef Cap erreicht), sodass wir uns daher logischerweise als SoHo entschlossen haben, sämtliche unserer Kapazitäten in den Personenwahlkampf Werner Faymann zu investieren. Unsere alleinige Aufgabe und Ziel war es daher, sich für unseren Spitzenkandidaten Werner Faymann zu engagieren und unsere Werbelinie voll darauf abzustimmen. Aus diesem Grund gab es bei uns daher auch keine Erwartungshaltungen bezüglich etwaiger Vorzusstimmen.“

Und auch die neue Rolle Högls als Parade-Schwuler der SPÖ kann Traschkowitsch nicht ganz nachvollziehen: „Als SPÖ sind wir eine Gemeinschaft basierend auf vielen AkteurInnen und MitstreiterInnen, die alle ihren Beitrag leisten. Ob es dabei auch Parade-Frauen, -Jugendliche, -Behinderte, -ArbeiterInnen, -GewerkschafterInnen, -Lesben und Schwule oder auch Parade-Transgender-Personen gibt, kann ich nicht beurteilen, weil ich die Sozialdemokratische Partei als Ganzes betrachte“, erklärt Traschkowitsch gegenüber GGG.at die Position der SoHo.

Nachtrag vom 3.10. Christian Högl ersuchte uns um die Veröffentlichung folgender Klarstellung:

Ich sehe keine unterschiedlichen Auffassungen von Lesben und Schwulen über unsere Rolle innerhalb der SPÖ. Mein Vorzugsstimmenwahlkampf war meine persönliche Entscheidung. Mein Ziel war, durch meinen persönlichen Einsatz und im direkten Gespräch mit vielen Menschen in- und außerhalb der Szene für die sozialdemokratischen Werte und Ziele zu werben und im Speziellen auch über das Lebenspartnerschaftsgesetz zu informieren. Das ist mir glaube ich auch sehr gut gelungen. In einen Wettbewerb mit anderen Lesben, Schwulen und Transgender-Personen innerhalb der Partei wollte ich damit nicht treten. Es wäre auch unfair, hier irgendwelche Vorzugsstimmen vergleichen zu wollen. Die SoHo leistet sehr wertvolle Arbeit für die Community. Ich unterstütze unseren Vorsitzenden Peter Traschkowitsch und sein Team gerne dabei und betrachte wie er die SPÖ als eine große, solidarische Gemeinschaft, die mit vereinten Kräften für eine bessere und gerechtere Gesellschaft kämpft.

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