Letzter „Rosa Winkel“-Überlebender wurde Ehrenmitglied des LSVD

Der Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) hat den KZ-Überlebenden Rudolf Brazda zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt. Der heute 95-Jährige war im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Dort musste er wie alle schwulen Männer den Rosa Winkel tragen, der noch zusätzlich mit einem „T“ (für Tscheche) versehen war. Heute ist er wahrscheinlich der letzte noch lebende Zeitzeuge, der wegen Homosexualität in einem KZ inhaftiert war.

Brazda traf am 30. März 1941 im KZ Buchenwald ein. Dort nahm sich ein kommunistischer Kapo – eine Art Oberhäftling – seiner an und es entwickelte sich eine Liebesbeziehung, die Brazda auch das Leben rettete. Als im Frühjahr 1945 das KZ Buchenwald geräumt wurde und die Häftlinge auf lange und für viele todbringende Märsche geschickt wurden, konnte er sich in einem Schweinestall verstecken, bis die Amerikaner das Lager am 11. April 1945 befreiten.

Nach dem Krieg traf er 1947 kam seinen Lebensgefährten, mit dem er bis zu dessen Tod 2002 zusammen blieb. Zusammen zogen sie nach Frankreich, wo Homosexualität damals nicht unter Strafe stand. Nach dem Fall des Totalverbotes für Homosexualität zogen sie Anfang der 1970er wieder nach Süddeutschland. Brazda lebt heute dort in einem kleinen Haus, das er zusammen mit seinem Freund gebaut hat.

Ende Juni war Brazda auf Einladung des LSVD nach Berlin gekommen und hatte gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit das neue Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen besichtigt. Außerdem nahm er damals erstmals in seinem Leben an einer CSD-Parade teil und fuhr auf dem Wagen des LSVD mit.

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